Kleines Pils, Kreuzberger Tag: 2,30 Euro. „Das Lokal gibt es unter dem Namen Yorckschlösschen seit 1885, damals bewirtschaftet als Wiener Café. Als ich hier angefangen habe, war das hier eine Künstlergegend – da wurde hier gesoffen, aber hallo! Die Künstlerbohème hat sich hier aber überlebt. Ich habe dann ein Thema gesucht, das etwas beständiger ist. Das Yorckschlösschen hilft mittlerweile auch dem Jazz, aber umgekehrt ist es sicher auch so, dass der Jazz dem Yorckschlösschen geholfen hat“, sagt Olaf. Die Kneipe hat zudem ihrem Besitzer geholfen, er ist mit ihr gewachsen: „Das schönste ist der Reifeprozess, den ich durchgemacht habe. Ich war anfangs ein sehr verschlossener, introvertierter Mensch.“ Olaf, 60, aus Nordenham, seit 33 Jahren in Berlin, Gastwirt,  „Yorckschlösschen“, Kreuzberg, Yorckstraße 15.
Olaf hat im Yorckschlösschen vor 33 Jahren als Putzmann angefangen und heute gehört ihm das Lokal. Er ist jeden Tag hier. Aber wenn er, wie gerade, an seinem Lieblingsplatz neben der Kaffeemaschine steht, ist er dem Barmann im Weg. Rund um diesen Tresen hat er sein ganzes „gastronomisches Handwerk“ gelernt. „Hier war so eine Schnapsnasen-Eckkneipe.“ Und Olaf hatte keine Ahnung. Als er zu kellnern begann und ein Gast einen Metaxa bestellte, rief er ihm ein Taxi. Metaxa stand nicht im Regal. Auch Bionade, Caipirinha und Milchkaffee kamen erst später ins Angebot. „Man muss den Prozess immer wieder aktiv gestalten, um das Publikum zu erneuern.“ Früher bot Olaf viel Dixieland im Yorckschlösschen an, aber das ist vorbei. Er kennt sich aus in der Jazzszene, spürt neuen Trends und jungen Bands nach. Alles außer Free Jazz lädt er ein. Warum gehen die Leute in die Kneipe? Olaf, der Autodidakt, fragt sich das auch nach mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung immer noch. „Es ist ein Ort, der schön ist und wo alles funktioniert“, sagt er dann. „Aber es muss immer einen geben, der aufpasst.“ Der Ort sei den Gästen ein Wohnzimmer und solle es bleiben. „Ich habe als Kaufmann im Hertie-Konzern in Frankfurt am Main gearbeitet, und dabei verliert man etwas seine Seele. Deshalb bin ich nach Berlin gekommen, um Bühnenbildner zu werden.“ Im Yorckschlösschen versucht er heute, Atmosphären zu schaffen „wie im alten Paris oder in New Orleans“. Er erfindet den Charakter seiner Kneipe immer wieder neu. Über deren Wände wuchern Bilder wie Efeu. Und die Tische haben Namen, keine Nummern: Draußen steht der „Tisch des Grauens“ mit den alten, grauen Stammgästen. An der Säule steht der Tisch von „Säulenbernd“. Und unter einem großen Bild der „Tisch am hässlichen Bild“. Dieser Ort ist jetzt seine Bühne.
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Small Pilsner, Kreuzberger Tag: 2,30 Euro. ‚The pub has been known under the name of Yorckschlösschen since 1885, back then it was a Wiener Café. When I started working here, this was an artist quarter – people used to get here really drunk, well, of course! But the bohemian flair is nowadays overrated. So I looked for a more constant theme. In the meantime, Yorckschlösschen helps Jazz, but it’s also the other way around, Jazz has helped Yorckschlösschen’, says Olaf. It looks like the bar also helped its owner, who grew together with the place: ‘Most beautiful is my personal ripening journey. Back then, I used to be an introvert.’ Olaf, 60, from Nordenham, since 33 years in Berlin, barkeeper,  ‘Yorckschlösschen’ / ‘Little Palace of Yorck’, Kreuzberg, Yorckstraße 15.
Olaf has been working in Yorckschlösschen for 33 years now, he begun as a cleaning man and today he owns the place. He’s here every day. But when he’s standing in his favorite place, like now, next to the coffee machine, he’s in the barman’s way. Around this bar he learned his entire ‘gastronomic craft’. ‘Here used to be such a brandy-blossom-corner-bar.’ And he hadn’t got a clue back then. When he began working as a waiter and a guest ordered a Metaxa, he called him a taxi. Metaxa wasn’t yet on the menu. Bionade, Caipirinha and white coffee came also later on. ‘One has to continuously redesign the process, to renew the public.’ Olaf invited a lot of Dixieland back then in Yorckschlösschen but not anymore. He’s a connoisseur of the Jazz scene, he’s tracing new trends and new bands. He’s inviting all besides Free Jazz. Why are people coming to bars? The autodidact Olaf still asks himself this after over three decades of experience. ‘It’s a place where everything is nice and functions’, he says then. ‘But somebody has to be there to watch out.’ The place is a living room for its guests and should stay like this. ‘I worked as a seller in the Hertie chain in Frankfurt am Main, and one looses a bit of his soul doing such a job. That’s why I moved to Berlin, planning to become a stage designer.’ Today, he’s trying to create in Yorckschlösschen ambiances ‘like in old Paris or in New Orleans’. He’s reinventing the character of his bar all the time. Pictures grow on walls like ivy. And the tables have names, not numbers: outside is the ‘Table of Terror’, with the older, grey regular customers. Next to a column there’s ‘Bernd’s Column Table’. And under a big painting there’s the ‘Table at the Ugly Painting’. This place is now his stage.

Kleines Pils, Kreuzberger Tag: 2,30 Euro. „Das Lokal gibt es unter dem Namen Yorckschlösschen seit 1885, damals bewirtschaftet als Wiener Café. Als ich hier angefangen habe, war das hier eine Künstlergegend – da wurde hier gesoffen, aber hallo! Die Künstlerbohème hat sich hier aber überlebt. Ich habe dann ein Thema gesucht, das etwas beständiger ist. Das Yorckschlösschen hilft mittlerweile auch dem Jazz, aber umgekehrt ist es sicher auch so, dass der Jazz dem Yorckschlösschen geholfen hat“, sagt Olaf. Die Kneipe hat zudem ihrem Besitzer geholfen, er ist mit ihr gewachsen: „Das schönste ist der Reifeprozess, den ich durchgemacht habe. Ich war anfangs ein sehr verschlossener, introvertierter Mensch.“ Olaf, 60, aus Nordenham, seit 33 Jahren in Berlin, Gastwirt,  „Yorckschlösschen“, Kreuzberg, Yorckstraße 15.

Olaf hat im Yorckschlösschen vor 33 Jahren als Putzmann angefangen und heute gehört ihm das Lokal. Er ist jeden Tag hier. Aber wenn er, wie gerade, an seinem Lieblingsplatz neben der Kaffeemaschine steht, ist er dem Barmann im Weg. Rund um diesen Tresen hat er sein ganzes „gastronomisches Handwerk“ gelernt. „Hier war so eine Schnapsnasen-Eckkneipe.“ Und Olaf hatte keine Ahnung. Als er zu kellnern begann und ein Gast einen Metaxa bestellte, rief er ihm ein Taxi. Metaxa stand nicht im Regal. Auch Bionade, Caipirinha und Milchkaffee kamen erst später ins Angebot. „Man muss den Prozess immer wieder aktiv gestalten, um das Publikum zu erneuern.“ Früher bot Olaf viel Dixieland im Yorckschlösschen an, aber das ist vorbei. Er kennt sich aus in der Jazzszene, spürt neuen Trends und jungen Bands nach. Alles außer Free Jazz lädt er ein. Warum gehen die Leute in die Kneipe? Olaf, der Autodidakt, fragt sich das auch nach mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung immer noch. „Es ist ein Ort, der schön ist und wo alles funktioniert“, sagt er dann. „Aber es muss immer einen geben, der aufpasst.“ Der Ort sei den Gästen ein Wohnzimmer und solle es bleiben. „Ich habe als Kaufmann im Hertie-Konzern in Frankfurt am Main gearbeitet, und dabei verliert man etwas seine Seele. Deshalb bin ich nach Berlin gekommen, um Bühnenbildner zu werden.“ Im Yorckschlösschen versucht er heute, Atmosphären zu schaffen „wie im alten Paris oder in New Orleans“. Er erfindet den Charakter seiner Kneipe immer wieder neu. Über deren Wände wuchern Bilder wie Efeu. Und die Tische haben Namen, keine Nummern: Draußen steht der „Tisch des Grauens“ mit den alten, grauen Stammgästen. An der Säule steht der Tisch von „Säulenbernd“. Und unter einem großen Bild der „Tisch am hässlichen Bild“. Dieser Ort ist jetzt seine Bühne.

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Small Pilsner, Kreuzberger Tag: 2,30 Euro. ‚The pub has been known under the name of Yorckschlösschen since 1885, back then it was a Wiener Café. When I started working here, this was an artist quarter – people used to get here really drunk, well, of course! But the bohemian flair is nowadays overrated. So I looked for a more constant theme. In the meantime, Yorckschlösschen helps Jazz, but it’s also the other way around, Jazz has helped Yorckschlösschen’, says Olaf. It looks like the bar also helped its owner, who grew together with the place: ‘Most beautiful is my personal ripening journey. Back then, I used to be an introvert.’ Olaf, 60, from Nordenham, since 33 years in Berlin, barkeeper,  ‘Yorckschlösschen’ / ‘Little Palace of Yorck’, Kreuzberg, Yorckstraße 15.

Olaf has been working in Yorckschlösschen for 33 years now, he begun as a cleaning man and today he owns the place. He’s here every day. But when he’s standing in his favorite place, like now, next to the coffee machine, he’s in the barman’s way. Around this bar he learned his entire ‘gastronomic craft’. ‘Here used to be such a brandy-blossom-corner-bar.’ And he hadn’t got a clue back then. When he began working as a waiter and a guest ordered a Metaxa, he called him a taxi. Metaxa wasn’t yet on the menu. Bionade, Caipirinha and white coffee came also later on. ‘One has to continuously redesign the process, to renew the public.’ Olaf invited a lot of Dixieland back then in Yorckschlösschen but not anymore. He’s a connoisseur of the Jazz scene, he’s tracing new trends and new bands. He’s inviting all besides Free Jazz. Why are people coming to bars? The autodidact Olaf still asks himself this after over three decades of experience. ‘It’s a place where everything is nice and functions’, he says then. ‘But somebody has to be there to watch out.’ The place is a living room for its guests and should stay like this. ‘I worked as a seller in the Hertie chain in Frankfurt am Main, and one looses a bit of his soul doing such a job. That’s why I moved to Berlin, planning to become a stage designer.’ Today, he’s trying to create in Yorckschlösschen ambiances ‘like in old Paris or in New Orleans’. He’s reinventing the character of his bar all the time. Pictures grow on walls like ivy. And the tables have names, not numbers: outside is the ‘Table of Terror’, with the older, grey regular customers. Next to a column there’s ‘Bernd’s Column Table’. And under a big painting there’s the ‘Table at the Ugly Painting’. This place is now his stage.