Auf der Spree galoppieren
Eine Kutsche schaukelt über den Boulevard. Muss etwas besonderes sein, denkt man heute. Mit einer Kutsche heute zu fahren ist ein Versuch zu feiern, den Alltag zu überflügeln und die Zeit zu betrügen. Der Hausboot-Verleih mit Stegplätzen an der Oberbaumbrücke trägt diese Idee einen Schritt weiter – er bietet Kutschen ohne Räder und ohne Pferde an. “Raus aus der stinkenden Stadt. Das Wasser birgt ja auch etwas Beruhigendes. Ich habe eher einen Hang zum Meer, zum Salzwasser und Ozean,” erzählt Jan. “Ich habe mir das so romantisch vorgestellt, dass ich pfeiferauchend auf dem Schaukelstuhl am Bootssteg sitze und auf die Kunden warte. So läuft’s leider nicht. Um Charterboote muss man sich ständig kümmern.”
Jans Kutschen schaukeln auf der Spree, sind Wasserkutschen. Gebaut nach einem gekauften Plan, den er umgesetzt hat. Zwei dieser Kajütboote segeln in Berlin seit 2010. “Ich baue an Nummer drei und vier”, sagt Jan. Man kann irgendwo ankern oder eine Mischung aus Hausbooturlaub und Wasserwandern machen. Sie haben 3,5 Elektropferde, für Boote unter 5 PS braucht man keinen Führerschein. Bei halber Kraft voraus erreicht man 6,5 Kilometer pro Stunde und kann stundenlang fahren. “Acht Stunden lautlos dahingleiten.”
Jan baut weiter, die neue Saison beginnt im April. “Es passiert ja ‘ne Menge auf dem Wasser. Das ist gerade ein echter Schub. Der Berliner an sich - wir haben ja unheimlich viel Wasser hier - bei dem ist es schon lang verankert in der Seele.” Nach einer grünen und einer roten Wasserkutsche, kommt jetzt eine blaue. Der Kutschen-Embryo braucht zwei bis drei Monate und zwei bis drei Leute. Keine Fee mit einem Zauberstab. Keinen Namen, sondern Farbe. Diese Kutschen verwandeln sich aber auch nicht um Mitternacht in einen Kürbis zurück. Man könnte drei Tage und drei Nächte lang weiter galoppieren.
nata
.
Galloping on the Spree
A carriage swings on the boulevard. Should be something special, one would think nowadays. Driving a carriage today is an attempt to celebrate, to outwit daily routine and to deceive time. The Houseboat Rental, with parking slots at the Oberbaum Bridge, takes this idea a step further – it offers carriages without wheels and without horses. ‘Getting out of the stinky city. Water brings along something comforting. I’ve got an inclination for the seaside, for salty water and the ocean’, tells Jan. ‘I had a romantic picture of it, that I’d be smoking a pipe on a swing chair by the water, waiting for customers. Unfortunately it doesn’t work like that. The charter boats keep one always busy.’
Jan’s carriages swing on the Spree, they are Wasserkutschen. Built after a bought plan, which he implemented. Two of these cabin cruisers have been sailing in Berlin since 2010. ‘I’m building a number three and four’, says Jan. One can anchor somewhere or try a combination of a houseboat holiday and a water trip. They have 3,5-electric horses, one doesn’t need a driving license for boats with less than 5-horse power. One can reach up to 6,5 km per hour at half speed and can drive for hours. ‘Eight hours of quietly gliding.’
Jan keeps constructing, the new season starts in April. ‘There’s a lot happening on water. That’s really a push. We have a lot of water around here - it’s already been anchored in Berliners’ hearts for a long time.’ A blue carriage will follow after the green and the red Wasserkutsche. The carriage-embryo needs two to three months and two to three people. There’s no fairy with a magic wand. No names, just colors. But these carriages will also not transform back into a pumpkin at midnight. One could keep galloping for three days and three nights.
nata

Auf der Spree galoppieren

Eine Kutsche schaukelt über den Boulevard. Muss etwas besonderes sein, denkt man heute. Mit einer Kutsche heute zu fahren ist ein Versuch zu feiern, den Alltag zu überflügeln und die Zeit zu betrügen. Der Hausboot-Verleih mit Stegplätzen an der Oberbaumbrücke trägt diese Idee einen Schritt weiter – er bietet Kutschen ohne Räder und ohne Pferde an. “Raus aus der stinkenden Stadt. Das Wasser birgt ja auch etwas Beruhigendes. Ich habe eher einen Hang zum Meer, zum Salzwasser und Ozean,” erzählt Jan. “Ich habe mir das so romantisch vorgestellt, dass ich pfeiferauchend auf dem Schaukelstuhl am Bootssteg sitze und auf die Kunden warte. So läuft’s leider nicht. Um Charterboote muss man sich ständig kümmern.”

Jans Kutschen schaukeln auf der Spree, sind Wasserkutschen. Gebaut nach einem gekauften Plan, den er umgesetzt hat. Zwei dieser Kajütboote segeln in Berlin seit 2010. “Ich baue an Nummer drei und vier”, sagt Jan. Man kann irgendwo ankern oder eine Mischung aus Hausbooturlaub und Wasserwandern machen. Sie haben 3,5 Elektropferde, für Boote unter 5 PS braucht man keinen Führerschein. Bei halber Kraft voraus erreicht man 6,5 Kilometer pro Stunde und kann stundenlang fahren. “Acht Stunden lautlos dahingleiten.”

Jan baut weiter, die neue Saison beginnt im April. “Es passiert ja ‘ne Menge auf dem Wasser. Das ist gerade ein echter Schub. Der Berliner an sich - wir haben ja unheimlich viel Wasser hier - bei dem ist es schon lang verankert in der Seele.” Nach einer grünen und einer roten Wasserkutsche, kommt jetzt eine blaue. Der Kutschen-Embryo braucht zwei bis drei Monate und zwei bis drei Leute. Keine Fee mit einem Zauberstab. Keinen Namen, sondern Farbe. Diese Kutschen verwandeln sich aber auch nicht um Mitternacht in einen Kürbis zurück. Man könnte drei Tage und drei Nächte lang weiter galoppieren.

nata

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Galloping on the Spree

A carriage swings on the boulevard. Should be something special, one would think nowadays. Driving a carriage today is an attempt to celebrate, to outwit daily routine and to deceive time. The Houseboat Rental, with parking slots at the Oberbaum Bridge, takes this idea a step further – it offers carriages without wheels and without horses. ‘Getting out of the stinky city. Water brings along something comforting. I’ve got an inclination for the seaside, for salty water and the ocean’, tells Jan. ‘I had a romantic picture of it, that I’d be smoking a pipe on a swing chair by the water, waiting for customers. Unfortunately it doesn’t work like that. The charter boats keep one always busy.’

Jan’s carriages swing on the Spree, they are Wasserkutschen. Built after a bought plan, which he implemented. Two of these cabin cruisers have been sailing in Berlin since 2010. ‘I’m building a number three and four’, says Jan. One can anchor somewhere or try a combination of a houseboat holiday and a water trip. They have 3,5-electric horses, one doesn’t need a driving license for boats with less than 5-horse power. One can reach up to 6,5 km per hour at half speed and can drive for hours. ‘Eight hours of quietly gliding.’

Jan keeps constructing, the new season starts in April. ‘There’s a lot happening on water. That’s really a push. We have a lot of water around here - it’s already been anchored in Berliners’ hearts for a long time.’ A blue carriage will follow after the green and the red Wasserkutsche. The carriage-embryo needs two to three months and two to three people. There’s no fairy with a magic wand. No names, just colors. But these carriages will also not transform back into a pumpkin at midnight. One could keep galloping for three days and three nights.

nata