Ein Monat, 31 Portraits / One Month, 31 Portraits

Oct 21

Veronica (*Vorniceni, MD), airport, Bucharest
English version below
Veronica wirkt zurückhaltend wenn sie erzählt, beinahe abgeklärt. Sie spricht über die europäische Wirtschaftskrise, die Wirtschaftslage in Rumänien, über Hürden in Beruf und Alltag. Beim Wort „Studienstube“ kommen ihr die Situationen in den Sinn, mit denen man tagtäglich konfrontiert wird, besonders die schwierigen. „In schweren Zeiten lernt man mehr als in leichten“, habe sie vom Leben gelernt.
Von Beginn an war der Lerneifer in Veronicas Leben zentral. Gelernt habe sie bisher einiges, sei es durch Bücher, durch Menschen, Studienaufenthalte oder berufliche Herausforderungen. Im Doppelstudium der Wirtschafts-und Rechtswissenschaften in Rumänien und später im Masterprogramm an dem Institut of Law and Finance in Frankfurt lernte sie Studieninhalte und sprachliche Hürden des Deutschen zu bewältigen. Später erfüllte sie sich einen beruflichen Traum und arbeitete für die Europäische Zentralbank und absolvierte begleitend Summer und Winter Schools. Momentan arbeitet sie für die Société Générale in Bukarest und muss sich täglich vorbereiten. „Es gehört zum Job, mit der Industrie vertraut zu sein, jeden Tag muss ich über Unternehmen informieren, die ich noch nicht kenne“, sagt sie. Das mache sie entweder an ihrem Tisch im Büro oder bei sich zuhause, stets vor einem Fenster. Veronica ist ambitioniert und meint dazu: „Ich mag Veränderungen und zum nächsten Level zu kommen.“
Zurzeit lerne sie, sich im Berufsleben besser zu behaupten und nimmt an einem Coaching in Berlin teil, das von fellows & friends gefördert wird. Eine erste Lektion habe sie bereits mitgenommen: Erfolge konsequenter nach außen tragen und sie sichtbar zu machen. Man lerne eben nie aus.

***

Veronica has a reservation about her when she speaks, which almost borders on detachment. She talks about the European economic crisis, the Romanian economy and about obstacles, private and professional. The word “study space” calls to mind daily situations which must be confronted, especially the hard ones. Life has taught her that “you learn more from those times which prove difficult.” 
Veronica has always been eager to learn. She has learned a great deal up to now, whether through books, people, studying or professional challenges. Studying economics and law in Romania and later completing a master’s programme at the Institute of Law and Finance in Frankfurt taught her not only to succeed in academia but also to overcome the obstacles of the German language. She later fulfilled one of her career dreams and began working for the European Central Bank while at the same time completing summer and winter schools. She currently works for the Sociéte Générale in Bucharest and must prepare every day for new tasks and situations. “Knowing the industry is all part of the job. Every day there are new companies I must know about”, she says. Veronica is ambitious and adds, “I like change and reaching the next level.”
She is now learning how to assert herself on the job and participates in coaching sessions sponsored by fellows & friends in Berlin. She has already learned her first lesson: Show the world the success you have achieved, no matter what it is. You never stop learning.
    Ana-Marija Cvitic

Veronica (*Vorniceni, MD), airport, Bucharest

English version below

Veronica wirkt zurückhaltend wenn sie erzählt, beinahe abgeklärt. Sie spricht über die europäische Wirtschaftskrise, die Wirtschaftslage in Rumänien, über Hürden in Beruf und Alltag. Beim Wort „Studienstube“ kommen ihr die Situationen in den Sinn, mit denen man tagtäglich konfrontiert wird, besonders die schwierigen. „In schweren Zeiten lernt man mehr als in leichten“, habe sie vom Leben gelernt.

Von Beginn an war der Lerneifer in Veronicas Leben zentral. Gelernt habe sie bisher einiges, sei es durch Bücher, durch Menschen, Studienaufenthalte oder berufliche Herausforderungen. Im Doppelstudium der Wirtschafts-und Rechtswissenschaften in Rumänien und später im Masterprogramm an dem Institut of Law and Finance in Frankfurt lernte sie Studieninhalte und sprachliche Hürden des Deutschen zu bewältigen. Später erfüllte sie sich einen beruflichen Traum und arbeitete für die Europäische Zentralbank und absolvierte begleitend Summer und Winter Schools. Momentan arbeitet sie für die Société Générale in Bukarest und muss sich täglich vorbereiten. „Es gehört zum Job, mit der Industrie vertraut zu sein, jeden Tag muss ich über Unternehmen informieren, die ich noch nicht kenne“, sagt sie. Das mache sie entweder an ihrem Tisch im Büro oder bei sich zuhause, stets vor einem Fenster. Veronica ist ambitioniert und meint dazu: „Ich mag Veränderungen und zum nächsten Level zu kommen.“

Zurzeit lerne sie, sich im Berufsleben besser zu behaupten und nimmt an einem Coaching in Berlin teil, das von fellows & friends gefördert wird. Eine erste Lektion habe sie bereits mitgenommen: Erfolge konsequenter nach außen tragen und sie sichtbar zu machen. Man lerne eben nie aus.

***

Veronica has a reservation about her when she speaks, which almost borders on detachment. She talks about the European economic crisis, the Romanian economy and about obstacles, private and professional. The word “study space” calls to mind daily situations which must be confronted, especially the hard ones. Life has taught her that “you learn more from those times which prove difficult.”

Veronica has always been eager to learn. She has learned a great deal up to now, whether through books, people, studying or professional challenges. Studying economics and law in Romania and later completing a master’s programme at the Institute of Law and Finance in Frankfurt taught her not only to succeed in academia but also to overcome the obstacles of the German language. She later fulfilled one of her career dreams and began working for the European Central Bank while at the same time completing summer and winter schools. She currently works for the Sociéte Générale in Bucharest and must prepare every day for new tasks and situations. “Knowing the industry is all part of the job. Every day there are new companies I must know about”, she says. Veronica is ambitious and adds, “I like change and reaching the next level.”

She is now learning how to assert herself on the job and participates in coaching sessions sponsored by fellows & friends in Berlin. She has already learned her first lesson: Show the world the success you have achieved, no matter what it is. You never stop learning.

Ana-Marija Cvitic

Oct 20

Silvia (*Marienberg, DE), Café Melange, Berlin
English version below
Als eine Art melancholisches Geflecht aus Weit-und Rückblick, so sieht Silvia ihren virtuellen Arbeitsort, das Online-Blog „Café Melange“. Mit ruhiger Stimme und bedacht gewählten Worten erzählt sie im Gespräch von der Vergangenheit und Zukunft des Literaturbetriebes, mit dem „Café Melange“ als allumgreifender Metapher.
Der Name der Online-Plattform, die in einem hellen, ruhigen, mit Büchern befüllten Zimmer im Berliner Kreuzberg kreiert wird, verweist auf die Wiener Kaffeehauskultur als einstige literarische Institution. Die Relikte dieser einst europaweit florierenden Bewegung lernte Silvia im Zuge ihres Studiums der Kunstgeschichte, Germanistik und Journalismus in Prag kennen. Es zog sie auch nach Wien, wo sie im Kaffeehaus von der korrigierenden Gymnasiums-Professorin über den Journalisten bis hin zu Senioren und Studenten alle vertreten sah. Nicht nur die „Melange“ an Menschen, welchen ein solches Café als Ort des Gedankenaustausches und des direkten Schreibens diente, sondern auch die „Melange“ an entstandenen Publikationen, darunter Gelegenheitsliteratur, Sozialstudien und Feuilletons, beeindruckte die heutige Journalistin. Als einen imaginärer Salon, der eine Durchmischung der literarischen Texte ebenso wie der Autorenschaft selbst fördert, will sie „Café Melange“ künftig etablieren.
Silvia bekomme tagtäglich viele Vorbehalte der Literaturszene gegenüber dem virtuellen Literatur-Raum mit. Sie beklagt das allzu starre Festhalten einiger Verlagshäuser am status quo, ebenso wie ihr über-vorsichtiges Verhältnis zur stetig wachsenden Bloggerszene. Silvia ist überzeugt, dass sich der Trend zum Online-Medium fortsetzen werde und deklariert: „Die Printmedien sind tot“. Zwar lese sie persönlich noch Bücher, doch in ihrem Freundeskreis sei es längst üblich, Magazine und dergleichen online zu konsumieren. Mit „Café Melange“ kreierte sie sich nun einen virtuellen Raum, der zukunftsweisend ist, ohne dabei auf Vergangenes zu vergessen.

***
Silvia sees her virtual work place – the online blog “Café Melange” – as a type of melancholic web spun out of foresight and retrospect. In a quiet voice and with carefully chosen words, she speaks of the past and future of the literary scene, the “Café Melange”, as an all-encompassing metaphor.
The name of the online platform was created in a bright, quiet room filled with books in Berlin’s Kreuzberg district and refers to the Viennese coffee house culture as a former literary institution. Silvia became acquainted with this relic of a movement which once flourished throughout Europe while studying art history, German studies and journalism in Prague. She was later drawn to Vienna and sat in coffee houses among teachers, professors, journalists, retirees and students. The young woman, who currently works as a journalist, was not only impressed by the “melange” of people who frequent such cafés to exchange thoughts and to write but also by the “melange” of works that resulted, among them poetry, social studies and portraits, articles and features.  She would like to establish “Café Melange” as an imaginary salon which promotes writing as well as a mix of literary texts.  

Silvia is confronted daily with many reservations from the literary scene about a virtual literary space. They mostly concern the rigid adherence on the part of certain publishers to the status quo, as well as their uber-cautious relationship to the constantly growing blogger scene. Silvia is convinced that the trend to online medium will continue. “Print media is dead”, she declares. She still reads books but within her circle of friends it has long been customary to read magazines and other media online. With “Café Melange” she has created a virtual space that points to the future without forgetting the past.  

Ana-Marija Cvitic

Silvia (*Marienberg, DE), Café Melange, Berlin

English version below

Als eine Art melancholisches Geflecht aus Weit-und Rückblick, so sieht Silvia ihren virtuellen Arbeitsort, das Online-Blog „Café Melange“. Mit ruhiger Stimme und bedacht gewählten Worten erzählt sie im Gespräch von der Vergangenheit und Zukunft des Literaturbetriebes, mit dem „Café Melange“ als allumgreifender Metapher.

Der Name der Online-Plattform, die in einem hellen, ruhigen, mit Büchern befüllten Zimmer im Berliner Kreuzberg kreiert wird, verweist auf die Wiener Kaffeehauskultur als einstige literarische Institution. Die Relikte dieser einst europaweit florierenden Bewegung lernte Silvia im Zuge ihres Studiums der Kunstgeschichte, Germanistik und Journalismus in Prag kennen. Es zog sie auch nach Wien, wo sie im Kaffeehaus von der korrigierenden Gymnasiums-Professorin über den Journalisten bis hin zu Senioren und Studenten alle vertreten sah. Nicht nur die „Melange“ an Menschen, welchen ein solches Café als Ort des Gedankenaustausches und des direkten Schreibens diente, sondern auch die „Melange“ an entstandenen Publikationen, darunter Gelegenheitsliteratur, Sozialstudien und Feuilletons, beeindruckte die heutige Journalistin. Als einen imaginärer Salon, der eine Durchmischung der literarischen Texte ebenso wie der Autorenschaft selbst fördert, will sie „Café Melange“ künftig etablieren.

Silvia bekomme tagtäglich viele Vorbehalte der Literaturszene gegenüber dem virtuellen Literatur-Raum mit. Sie beklagt das allzu starre Festhalten einiger Verlagshäuser am status quo, ebenso wie ihr über-vorsichtiges Verhältnis zur stetig wachsenden Bloggerszene. Silvia ist überzeugt, dass sich der Trend zum Online-Medium fortsetzen werde und deklariert: „Die Printmedien sind tot“. Zwar lese sie persönlich noch Bücher, doch in ihrem Freundeskreis sei es längst üblich, Magazine und dergleichen online zu konsumieren. Mit „Café Melange“ kreierte sie sich nun einen virtuellen Raum, der zukunftsweisend ist, ohne dabei auf Vergangenes zu vergessen.

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Silvia sees her virtual work place – the online blog “Café Melange” – as a type of melancholic web spun out of foresight and retrospect. In a quiet voice and with carefully chosen words, she speaks of the past and future of the literary scene, the “Café Melange”, as an all-encompassing metaphor.

The name of the online platform was created in a bright, quiet room filled with books in Berlin’s Kreuzberg district and refers to the Viennese coffee house culture as a former literary institution. Silvia became acquainted with this relic of a movement which once flourished throughout Europe while studying art history, German studies and journalism in Prague. She was later drawn to Vienna and sat in coffee houses among teachers, professors, journalists, retirees and students. The young woman, who currently works as a journalist, was not only impressed by the “melange” of people who frequent such cafés to exchange thoughts and to write but also by the “melange” of works that resulted, among them poetry, social studies and portraits, articles and features.  She would like to establish “Café Melange” as an imaginary salon which promotes writing as well as a mix of literary texts.  

Silvia is confronted daily with many reservations from the literary scene about a virtual literary space. They mostly concern the rigid adherence on the part of certain publishers to the status quo, as well as their uber-cautious relationship to the constantly growing blogger scene. Silvia is convinced that the trend to online medium will continue. “Print media is dead”, she declares. She still reads books but within her circle of friends it has long been customary to read magazines and other media online. With “Café Melange” she has created a virtual space that points to the future without forgetting the past. 

Ana-Marija Cvitic

Oct 19

Maximilian (*Herrenberg, DE), home, Berlin
English text below
„Ich wechsle zwischen zwei oder drei Projekten täglich“, erklärt Max. Er spricht über seine Skype Interviews, die er im Rahmen seiner Tätigkeit fürs GPPI führt, über art but fair Teamsitzungen in seinem Wohnzimmer, über das Bearbeiten von Photos an seinem Computer und über seine Tätigkeit als Musiker. „Ich muss dort arbeiten können, wo ich lebe“, erzählt er weiter. Sogar wenn die Kulturpolitische Gesellschaft art but fair ein Büro in Mitte zur Verfügung stellt, Max’ übliche Studienstube bleibt sein Zuhause. Die klassischen Grenzen verschwimmen. Max’ Tag ist eben keine strenge Partitur aus Arbeit und Freizeit. 
„An Schreibtagen wache ich auf und fange an zu schreiben“, erzählt er. Max arbeitet zur Zeit an einer Studie darüber, wie Kunst fair gestaltet werden kann, mit dem Schwerpunkt auf Musik und darstellende Kunst. Die Untersuchung beleuchtet die Arbeitsbedingungen von Künstler*innen und wirbt um Unterstützung dafür, Standards für Künstlerhonorare zu etablieren. Aus dem Nebenraum kommt Mozarts 40ste Symphonie. Max spielt täglich Klavier, Gitarre und Geige. „Beim Spielen kommen die guten Ideen“, sagt er.
Was vor Jahren im Rahmen eines Stipendiums des Studienkollegs zu Berlin als einjähriges Interview-Projekt begann, setzt Max heute mit der Photographie fort – Portraits von Menschen, sei es in Brandenburg oder Tel Aviv. „Ich möchte Menschen und Geschichten kennen lernen, die mir fremd sind“. Schließlich aber führen alle Wege zurück nach Hause. Musikinstrumente, Computer und Kamera sind es, was Max’ Studienstube ausmacht. Sein ganz eigenes Orchester.

***

“I switch between two or three projects a day”, says Max. He talks about the Skype interviews he is conducting for his work for GPPI, about art but fair team meetings in the living room, photo editing on his computer and playing music. “I need to be able to work where I live”, he says. Even if Kultupolitische Gesellschaft gave art but fair an office in Mitte, Max’s usual study space still is at home. The classical borders vanish. His day is not compartmented into a score of work and free time segments.
“I have writing days; I wake up and start writing”, he says. Max is currently working on a study about how can art be fair, with a focus on the music and performance fields. The study looks at working conditions of artists and seeks to gather support for instating a level playing field for artists’ fees. From the other room comes Mozart’s 40th Symphony. Max plays the piano, the guitar and the violin every day. “Playing music is when good ideas come”, says Max.
What began years ago with a Studienkolleg zu Berlin scholarship as interviewing people for a one-year project, he continues today through his photography – portraits of people, be it in Brandenburg or in Tel Aviv. “I want to get to know people and stories alien to me”. All roads lead eventually back home. The instruments, the computer and the camera make up his study space. And home is where this orchestra is.

nata

Maximilian (*Herrenberg, DE), home, Berlin

English text below

„Ich wechsle zwischen zwei oder drei Projekten täglich“, erklärt Max. Er spricht über seine Skype Interviews, die er im Rahmen seiner Tätigkeit fürs GPPI führt, über art but fair Teamsitzungen in seinem Wohnzimmer, über das Bearbeiten von Photos an seinem Computer und über seine Tätigkeit als Musiker. „Ich muss dort arbeiten können, wo ich lebe“, erzählt er weiter. Sogar wenn die Kulturpolitische Gesellschaft art but fair ein Büro in Mitte zur Verfügung stellt, Max’ übliche Studienstube bleibt sein Zuhause. Die klassischen Grenzen verschwimmen. Max’ Tag ist eben keine strenge Partitur aus Arbeit und Freizeit. 

„An Schreibtagen wache ich auf und fange an zu schreiben“, erzählt er. Max arbeitet zur Zeit an einer Studie darüber, wie Kunst fair gestaltet werden kann, mit dem Schwerpunkt auf Musik und darstellende Kunst. Die Untersuchung beleuchtet die Arbeitsbedingungen von Künstler*innen und wirbt um Unterstützung dafür, Standards für Künstlerhonorare zu etablieren. Aus dem Nebenraum kommt Mozarts 40ste Symphonie. Max spielt täglich Klavier, Gitarre und Geige. „Beim Spielen kommen die guten Ideen“, sagt er.

Was vor Jahren im Rahmen eines Stipendiums des Studienkollegs zu Berlin als einjähriges Interview-Projekt begann, setzt Max heute mit der Photographie fort – Portraits von Menschen, sei es in Brandenburg oder Tel Aviv. „Ich möchte Menschen und Geschichten kennen lernen, die mir fremd sind“. Schließlich aber führen alle Wege zurück nach Hause. Musikinstrumente, Computer und Kamera sind es, was Max’ Studienstube ausmacht. Sein ganz eigenes Orchester.

***

“I switch between two or three projects a day”, says Max. He talks about the Skype interviews he is conducting for his work for GPPI, about art but fair team meetings in the living room, photo editing on his computer and playing music. “I need to be able to work where I live”, he says. Even if Kultupolitische Gesellschaft gave art but fair an office in Mitte, Max’s usual study space still is at home. The classical borders vanish. His day is not compartmented into a score of work and free time segments.

“I have writing days; I wake up and start writing”, he says. Max is currently working on a study about how can art be fair, with a focus on the music and performance fields. The study looks at working conditions of artists and seeks to gather support for instating a level playing field for artists’ fees. From the other room comes Mozart’s 40th Symphony. Max plays the piano, the guitar and the violin every day. “Playing music is when good ideas come”, says Max.

What began years ago with a Studienkolleg zu Berlin scholarship as interviewing people for a one-year project, he continues today through his photography – portraits of people, be it in Brandenburg or in Tel Aviv. “I want to get to know people and stories alien to me”. All roads lead eventually back home. The instruments, the computer and the camera make up his study space. And home is where this orchestra is.

nata

Oct 18


Regula (*Wald ZH, CH), Bike, Berlin 
English text below
„Kochen, essen, Wein trinken mit Freunden. Das ist für mich meine Studienstube, in der mir viele neue Ideen kommen“, erzählt Regula. Nach einem Jahr im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin, wo die junge Schweizerin sich mit der deutschen Europapolitik beschäftigt hat, steht nun das letzte Studienjahr an der Hertie School für sie an. Jedoch kommt die Vielbeschäftigte nicht gerne in das Unigebäude, viel lieber nimmt sie sich die Freiheit im Pyjama Zuhause auf dem Sofa zu sitzen und dort Bücher und Unterlagen zu wälzen oder ist mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Regula viel auf der faulen Haut liegt.
Verschiedene Projekte treiben sie um. Im ersten Jahr in Berlin engagierte sie sich im Verein keinAbseits! als Mentorin für ein Berliner Grundschulkind mit dem sie sich regelmäßig traf und austauschte. Der enge Kontakt blieb bestehen und auch heute trifft sie sich noch regelmäßig mit ihrer Mentee. Mehr und mehr beschäftigt sie sich dazu mit dem schweizerischen Grasswurzel-Thinktank foraus, der seinen Schwerpunkt auf die Außenpolitik legt. „Die 800 Mitglieder erarbeiten die Inhalte nach eigenen Prioritäten“, erklärt sie. Dort bringt sich Regula als Nachwuchsexpertin für deutsche Politik ein und moderierte zum Beispiel nach den Deutschen Bundestagswahlen 2013 eine hochkarätig besetzte ExpertInnenrunde zu den Deutsch-Schweizerischen Beziehungen. Mittlerweile ist der Thinktank so weit etabliert, dass die OrganisatorInnen über die Gründung einer Schwesterorganisation in Deutschland nachdenken.
Jetzt sprudelt Regula fast über vor neuen Ideen. Mit dem Green Office der Hertie School will sie in nächstes Jahr Sustainability Days organisieren und plant zwei Workshops für foraus. Sie sagt: „Ich weiß, was für eine Art von Arbeit ich will. Ich möchte der Mittelpunkt von einem Netzwerk sein, dass etwas umsetzt.“ Diese Position versteht sie aber nicht als klassisches Führen, sondern als Mittlerin in einem Umfeld in dem neue Ideen umgesetzt werden können. An der Hertie School hat sie dafür noch ein Jahr.

***

 “Cooking, eating, drinking wine with friends. That is my study space which inspires me to new ideas”, Regula says. The young Swiss woman has begun her final year at the Hertie School, after spending the last year with the Federal Ministry of Labour and Social Affairs in Berlin working on German European policy. However, the busy student does not enjoy coming to campus but prefers to stay at home in her pyjamas on the couch, reading or going through documents. Or riding her bike around the city. But this doesn’t mean that Regula just lies around and does nothing.
She is busy with various projects. She mentored elementary school pupils for the association keinAbseits! during her first year in Berlin. The close contact she established with them has remained and she still meets regularly with her mentee. She has become more involved with the Swiss grassroots think tank foraus, whose focus is on foreign policy. “The 800 members work out the content based on own priorities”, she explains. As a young expert, Regula concentrates on German politics; she moderated a high profile expert group on German-Swiss relations following the German Bundestag elections in 2013. The think tank has become so established that the organisers are thinking about founding a sister organisation in Germany.
Regula is almost bubbling over with new ideas. Next year she would like to organise Sustainability Days with the Green Office at the Hertie School and is planning two workshops for foraus. She says, “I know what type of job I want. I would like to be the focus of a network that implements something.” She does not think of this as a classical leadership position but rather as mediator in an environment able to implement new ideas. She has another year at the Hertie School for this.  
  
Julia Michalsky

Regula (*Wald ZH, CH), Bike, Berlin

English text below

„Kochen, essen, Wein trinken mit Freunden. Das ist für mich meine Studienstube, in der mir viele neue Ideen kommen“, erzählt Regula. Nach einem Jahr im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin, wo die junge Schweizerin sich mit der deutschen Europapolitik beschäftigt hat, steht nun das letzte Studienjahr an der Hertie School für sie an. Jedoch kommt die Vielbeschäftigte nicht gerne in das Unigebäude, viel lieber nimmt sie sich die Freiheit im Pyjama Zuhause auf dem Sofa zu sitzen und dort Bücher und Unterlagen zu wälzen oder ist mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Regula viel auf der faulen Haut liegt.

Verschiedene Projekte treiben sie um. Im ersten Jahr in Berlin engagierte sie sich im Verein keinAbseits! als Mentorin für ein Berliner Grundschulkind mit dem sie sich regelmäßig traf und austauschte. Der enge Kontakt blieb bestehen und auch heute trifft sie sich noch regelmäßig mit ihrer Mentee. Mehr und mehr beschäftigt sie sich dazu mit dem schweizerischen Grasswurzel-Thinktank foraus, der seinen Schwerpunkt auf die Außenpolitik legt. „Die 800 Mitglieder erarbeiten die Inhalte nach eigenen Prioritäten“, erklärt sie. Dort bringt sich Regula als Nachwuchsexpertin für deutsche Politik ein und moderierte zum Beispiel nach den Deutschen Bundestagswahlen 2013 eine hochkarätig besetzte ExpertInnenrunde zu den Deutsch-Schweizerischen Beziehungen. Mittlerweile ist der Thinktank so weit etabliert, dass die OrganisatorInnen über die Gründung einer Schwesterorganisation in Deutschland nachdenken.

Jetzt sprudelt Regula fast über vor neuen Ideen. Mit dem Green Office der Hertie School will sie in nächstes Jahr Sustainability Days organisieren und plant zwei Workshops für foraus. Sie sagt: „Ich weiß, was für eine Art von Arbeit ich will. Ich möchte der Mittelpunkt von einem Netzwerk sein, dass etwas umsetzt.“ Diese Position versteht sie aber nicht als klassisches Führen, sondern als Mittlerin in einem Umfeld in dem neue Ideen umgesetzt werden können. An der Hertie School hat sie dafür noch ein Jahr.

***

 “Cooking, eating, drinking wine with friends. That is my study space which inspires me to new ideas”, Regula says. The young Swiss woman has begun her final year at the Hertie School, after spending the last year with the Federal Ministry of Labour and Social Affairs in Berlin working on German European policy. However, the busy student does not enjoy coming to campus but prefers to stay at home in her pyjamas on the couch, reading or going through documents. Or riding her bike around the city. But this doesn’t mean that Regula just lies around and does nothing.

She is busy with various projects. She mentored elementary school pupils for the association keinAbseits! during her first year in Berlin. The close contact she established with them has remained and she still meets regularly with her mentee. She has become more involved with the Swiss grassroots think tank foraus, whose focus is on foreign policy. “The 800 members work out the content based on own priorities”, she explains. As a young expert, Regula concentrates on German politics; she moderated a high profile expert group on German-Swiss relations following the German Bundestag elections in 2013. The think tank has become so established that the organisers are thinking about founding a sister organisation in Germany.

Regula is almost bubbling over with new ideas. Next year she would like to organise Sustainability Days with the Green Office at the Hertie School and is planning two workshops for foraus. She says, “I know what type of job I want. I would like to be the focus of a network that implements something.” She does not think of this as a classical leadership position but rather as mediator in an environment able to implement new ideas. She has another year at the Hertie School for this. 

  

Julia Michalsky

Oct 17

Elena (*Flensburg), Kellogg School of Management, Chicago
English version below
Für Elena ist es früh am Morgen in ihrer Wohnung im Norden Chicagos. Zum Skype-Interview hat sie sich in das hinterste Zimmer gesetzt, um ihre Mitbewohnerin nicht aufzuwecken. „Das hier ist wahrscheinlich der einzige Raum, der nicht zu meiner Studienstube gehört,“ lacht sie. Elena studiert gerade für ein Jahr an der Kellogg School of Management, wo sie einen Masterstudiengang in Business Administration mit den Schwerpunkten Marketing und Social Entrepreneurship absolviert. „Soziales Unternehmertum liegt mir am Herzen,“ sagt sie, „und eine gute Geschäftsführung ist für Non-Profits ja ebenso wichtig wie für profitorientierte Unternehmen.“
Nach Ende ihres Studiums der Vergleichenden Literaturwissenschaften, Politologie und Arabistik in Berlin, Damaskus und Manchester ging Elena erst einmal mit ihrer Band Valentine & The True Believers auf Straßenmusiktour und arbeitete ein Jahr lang in einer Kulturkiezkneipe in Neukölln. Begeistert sagt sie: „Das LAIKA kann ich nur jedem empfehlen!“ Danach wechselte Elena für drei Jahre zu einer großen Unternehmensberatung. „Nach meinem Studium hatte ich mich zunächst in Richtung Kulturmanagement orientiert und wurde dann zunehmend neugieriger auf den wirtschaftlichen Teil solcher Berufe. Meine Erfahrungen in der Unternehmensberatung haben meinen Horizont in diesem Bereich enorm erweitert, ich habe viel gelernt.“
In den USA erlebt Elena das Lernen als gemeinsame Aktivität mit ihren Mitstudenten aus der ganzen Welt. „Das Studium und die ganze Atmosphäre hier an der Kellogg School ist sehr kollaborativ. Ich sitze selten alleine in der Bibliothek und schreibe Texte, wie in meinem ersten Studium.“ Elenas tägliche Studienstube ist ein Gebäude auf dem Campus, in dem sich so ziemlich alles abspielt: Vorlesungen, Treffen mit verschiedenen Projektgruppen in kleinen fensterlosen Räumen oder an einem Tisch im Atrium, das sich mittags in die Kantine verwandelt … „Man läuft ständig netten Menschen über den Weg und verbringt sehr viel produktive Zeit miteinander,“ bemerkt Elena und vergleicht die intensive Erfahrung mit ihrer Zeit im Studienkolleg zu Berlin 2006–2007. „Abends sitzen meine Mitbewohnerin und ich oft noch lange in unserem Wohnzimmer zusammen und arbeiten an unseren Projekten. Aber zum Glück müssen wir dieses Jahr ja nicht jeden Tag so früh aufstehen wie ich heute.“

***

For Elena, it is early morning in her apartment on the north side of Chicago. She is using the back room for the skype interview so that she will not disturb her flat mate. “This is probably the only room that is not part of my study space,” she laughs. Elena is spending a year at the Kellogg School of Management, where she is completing a master’s in business administration with an emphasis on marketing and social entrepreneurship. “Social entrepreneurship is very important to me,” she says, “and good management is just as important for non-profits as it is for profit-oriented businesses.”
After completing her studies in comparative literature, political science and Arabic studies in Berlin Damascus and Manchester, Elena first toured around the streets with her band Valentine & The True Believers and worked for a year in a cultural neighbourhood bar in Neukölln. “I can recommend LAIKA to everybody!” she says with enthusiasm. She then spent the next three years working for a large consulting firm. “After my studies I first concentrated on culture management and became increasingly interested in the economic aspect of such professions. My consulting experience really expanded my horizons in this area; I learned a great deal.”
In the USA, learning is an activity Elena shares with her fellow students from all over the world. “The programme and the entire atmosphere here at the Kellogg School are very collaborative. I seldom sit by myself in the library and just write, as I did during my first tenure as student.” Elena’s daily study space is a building on campus which is a show place for everything: lectures, meetings with various project groups in small, windowless rooms or at a table in the Atrium, which serves as the cafeteria in the afternoon. “You are constantly meeting nice people and spending a lot of productive time with them,” she notes and compares the intensive experience with her time at the Studienkolleg zu Berlin 2006-2007. “My flat mate and I often sit together in our living room late into the night and work on our projects. Luckily, we don’t have to get up every day as early as I did today.” 

Julia Michalsky

Elena (*Flensburg), Kellogg School of Management, Chicago

English version below

Für Elena ist es früh am Morgen in ihrer Wohnung im Norden Chicagos. Zum Skype-Interview hat sie sich in das hinterste Zimmer gesetzt, um ihre Mitbewohnerin nicht aufzuwecken. „Das hier ist wahrscheinlich der einzige Raum, der nicht zu meiner Studienstube gehört,“ lacht sie. Elena studiert gerade für ein Jahr an der Kellogg School of Management, wo sie einen Masterstudiengang in Business Administration mit den Schwerpunkten Marketing und Social Entrepreneurship absolviert. „Soziales Unternehmertum liegt mir am Herzen,“ sagt sie, „und eine gute Geschäftsführung ist für Non-Profits ja ebenso wichtig wie für profitorientierte Unternehmen.“

Nach Ende ihres Studiums der Vergleichenden Literaturwissenschaften, Politologie und Arabistik in Berlin, Damaskus und Manchester ging Elena erst einmal mit ihrer Band Valentine & The True Believers auf Straßenmusiktour und arbeitete ein Jahr lang in einer Kulturkiezkneipe in Neukölln. Begeistert sagt sie: „Das LAIKA kann ich nur jedem empfehlen!“ Danach wechselte Elena für drei Jahre zu einer großen Unternehmensberatung. „Nach meinem Studium hatte ich mich zunächst in Richtung Kulturmanagement orientiert und wurde dann zunehmend neugieriger auf den wirtschaftlichen Teil solcher Berufe. Meine Erfahrungen in der Unternehmensberatung haben meinen Horizont in diesem Bereich enorm erweitert, ich habe viel gelernt.“

In den USA erlebt Elena das Lernen als gemeinsame Aktivität mit ihren Mitstudenten aus der ganzen Welt. „Das Studium und die ganze Atmosphäre hier an der Kellogg School ist sehr kollaborativ. Ich sitze selten alleine in der Bibliothek und schreibe Texte, wie in meinem ersten Studium.“ Elenas tägliche Studienstube ist ein Gebäude auf dem Campus, in dem sich so ziemlich alles abspielt: Vorlesungen, Treffen mit verschiedenen Projektgruppen in kleinen fensterlosen Räumen oder an einem Tisch im Atrium, das sich mittags in die Kantine verwandelt … „Man läuft ständig netten Menschen über den Weg und verbringt sehr viel produktive Zeit miteinander,“ bemerkt Elena und vergleicht die intensive Erfahrung mit ihrer Zeit im Studienkolleg zu Berlin 2006–2007. „Abends sitzen meine Mitbewohnerin und ich oft noch lange in unserem Wohnzimmer zusammen und arbeiten an unseren Projekten. Aber zum Glück müssen wir dieses Jahr ja nicht jeden Tag so früh aufstehen wie ich heute.“

***

For Elena, it is early morning in her apartment on the north side of Chicago. She is using the back room for the skype interview so that she will not disturb her flat mate. “This is probably the only room that is not part of my study space,” she laughs. Elena is spending a year at the Kellogg School of Management, where she is completing a master’s in business administration with an emphasis on marketing and social entrepreneurship. “Social entrepreneurship is very important to me,” she says, “and good management is just as important for non-profits as it is for profit-oriented businesses.”

After completing her studies in comparative literature, political science and Arabic studies in Berlin Damascus and Manchester, Elena first toured around the streets with her band Valentine & The True Believers and worked for a year in a cultural neighbourhood bar in Neukölln. “I can recommend LAIKA to everybody!” she says with enthusiasm. She then spent the next three years working for a large consulting firm. “After my studies I first concentrated on culture management and became increasingly interested in the economic aspect of such professions. My consulting experience really expanded my horizons in this area; I learned a great deal.”

In the USA, learning is an activity Elena shares with her fellow students from all over the world. “The programme and the entire atmosphere here at the Kellogg School are very collaborative. I seldom sit by myself in the library and just write, as I did during my first tenure as student.” Elena’s daily study space is a building on campus which is a show place for everything: lectures, meetings with various project groups in small, windowless rooms or at a table in the Atrium, which serves as the cafeteria in the afternoon. “You are constantly meeting nice people and spending a lot of productive time with them,” she notes and compares the intensive experience with her time at the Studienkolleg zu Berlin 2006-2007. “My flat mate and I often sit together in our living room late into the night and work on our projects. Luckily, we don’t have to get up every day as early as I did today.”

Julia Michalsky

Oct 16

Olga (*Kiev), Open-Air Concert, Marseille
English version below 
 
Olga lebt in der internationalen Welt der Orchestermusik. Geboren in Kiev, ließ sie sich an der Nationalen Musikakademie in Kiev als Violinistin ausbilden, bevor sie in Leipzig ihr Studium als Diplomorchestermusikerin abschloss. In ihrer bisherigen Laufbahn hat sie bereits in vielen verschiedenen Orchestern gespielt, wobei besonders die Konzerte mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ihr „viel Glück und Freude bereitet haben“. Fünf Jahre lang durfte sie an verschiedenen Oster- und Sommertourneen teilnehmen bevor sie dem Jugendorchester entwuchs, das der Förderung von jungen Musikern gewidmet ist.
Zum praktischen Üben an der Violine, dem Wiederholen von Routinen und Techniken, braucht sie nur ihre Geige und einen Raum. Selbst eine ruhige Ecke reicht ihr zur Vorbereitung. Dies ist vor allem wichtig, da sie wegen ihrer vielen verschiedenen Engagements oft hin- und herfahren muss. Selbst Zuhause in Marseille, wo sie mit ihrem Mann lebt, hat sie nach einem Umzug noch keinen Übungsraum, da dieses Zimmer unordentlich ist und noch voll mit Kartons steht. Eine Studienstube im eigentlichen Sinne hat Olga also nicht. Seit dem Sommer hat sie jedoch einen anderen wichtigen Ort für ihre Arbeit entdeckt: das Üben unter freiem Himmel. Während der Sommermusikakademie im Schloss Hundisburg spürte sie wieder, wie schön es ist open-air aufzutreten. Mit dem Instrument war sie ansonsten nie draußen. Denn „Feuchtigkeit, Sonne und Wind sind ganz schlecht  für ein Holzinstrument“, erklärt sie. Zum virtuosen Spiel gehört jedoch mehr als das simple Abspielen vom Notenblatt. Den Raum sich Gedanken darüber zu machen, was sie besser machen kann, findet Olga bei ihren fünfzehnminütigen Spaziergängen, die ihre Fantasie anregen und ihr sehr viel Freude bringen.    
Zu ihren Geigen pflegt Olga eine intensive Beziehung, was für sie selbstverständlich ist, „schließlich“, meint sie „ist die Geige mein Leben.“

***

Olga lives in the international world of orchestra music. Born in Kiev, she studied violin at The Tchaikovsky National Music Academy of Ukraine before receiving her degree in Leipzig as an orchestral musician. She has already played in several orchestras, although the concerts with the Gustav Mahler Youth Orchestra especially have provided her with “a lot of happiness and pleasure.”  She participated in various Easter and summer tours for five years before outgrowing the youth orchestra, which is dedicated to promoting and encouraging young musicians.
The only things she needs for the practice of routine and technique is her violin and a room. A quiet corner tucked away somewhere is more than sufficient. This is especially important because she must often travel back and forth for engagements.  She lives with her husband in Marseille and cannot use her practice room because it is still disorganized and full of boxes from the last move. As such, Olga does not have a study space in the true sense of the meaning. During the summer, however, she discovered another important place to work: out in the open. At the Summer Music Academy at Castle Hundisburg she once again realized how good it feels to perform open-air. She had never been outside with her violin because “humidity, sun and wind are terrible for wood instruments”, she explains. To perform with virtuosity requires much more than simply playing by notes. Olga uses her fifteen-minute walks – which inspire her fantasy and give her much pleasure – as space to reflect on how she can improve her playing.
Olga has an intensive relationship with her violin, which she takes as a matter of course. “After all”, she says, “the violin is my life.”   
Julia Michalsky 

Photo Credit: Philipp Schmidt

Olga (*Kiev), Open-Air Concert, Marseille

English version below

 

Olga lebt in der internationalen Welt der Orchestermusik. Geboren in Kiev, ließ sie sich an der Nationalen Musikakademie in Kiev als Violinistin ausbilden, bevor sie in Leipzig ihr Studium als Diplomorchestermusikerin abschloss. In ihrer bisherigen Laufbahn hat sie bereits in vielen verschiedenen Orchestern gespielt, wobei besonders die Konzerte mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ihr „viel Glück und Freude bereitet haben“. Fünf Jahre lang durfte sie an verschiedenen Oster- und Sommertourneen teilnehmen bevor sie dem Jugendorchester entwuchs, das der Förderung von jungen Musikern gewidmet ist.

Zum praktischen Üben an der Violine, dem Wiederholen von Routinen und Techniken, braucht sie nur ihre Geige und einen Raum. Selbst eine ruhige Ecke reicht ihr zur Vorbereitung. Dies ist vor allem wichtig, da sie wegen ihrer vielen verschiedenen Engagements oft hin- und herfahren muss. Selbst Zuhause in Marseille, wo sie mit ihrem Mann lebt, hat sie nach einem Umzug noch keinen Übungsraum, da dieses Zimmer unordentlich ist und noch voll mit Kartons steht. Eine Studienstube im eigentlichen Sinne hat Olga also nicht. Seit dem Sommer hat sie jedoch einen anderen wichtigen Ort für ihre Arbeit entdeckt: das Üben unter freiem Himmel. Während der Sommermusikakademie im Schloss Hundisburg spürte sie wieder, wie schön es ist open-air aufzutreten. Mit dem Instrument war sie ansonsten nie draußen. Denn „Feuchtigkeit, Sonne und Wind sind ganz schlecht  für ein Holzinstrument“, erklärt sie. Zum virtuosen Spiel gehört jedoch mehr als das simple Abspielen vom Notenblatt. Den Raum sich Gedanken darüber zu machen, was sie besser machen kann, findet Olga bei ihren fünfzehnminütigen Spaziergängen, die ihre Fantasie anregen und ihr sehr viel Freude bringen.    

Zu ihren Geigen pflegt Olga eine intensive Beziehung, was für sie selbstverständlich ist, „schließlich“, meint sie „ist die Geige mein Leben.“

***

Olga lives in the international world of orchestra music. Born in Kiev, she studied violin at The Tchaikovsky National Music Academy of Ukraine before receiving her degree in Leipzig as an orchestral musician. She has already played in several orchestras, although the concerts with the Gustav Mahler Youth Orchestra especially have provided her with “a lot of happiness and pleasure.”  She participated in various Easter and summer tours for five years before outgrowing the youth orchestra, which is dedicated to promoting and encouraging young musicians.

The only things she needs for the practice of routine and technique is her violin and a room. A quiet corner tucked away somewhere is more than sufficient. This is especially important because she must often travel back and forth for engagements.  She lives with her husband in Marseille and cannot use her practice room because it is still disorganized and full of boxes from the last move. As such, Olga does not have a study space in the true sense of the meaning. During the summer, however, she discovered another important place to work: out in the open. At the Summer Music Academy at Castle Hundisburg she once again realized how good it feels to perform open-air. She had never been outside with her violin because “humidity, sun and wind are terrible for wood instruments”, she explains. To perform with virtuosity requires much more than simply playing by notes. Olga uses her fifteen-minute walks – which inspire her fantasy and give her much pleasure – as space to reflect on how she can improve her playing.

Olga has an intensive relationship with her violin, which she takes as a matter of course. “After all”, she says, “the violin is my life.”   

Julia Michalsky 

Photo Credit: Philipp Schmidt

Oct 15

Subin (*Toledo, USA), balcony, Frankfurt-am-Main
English version below
Umgeben von Farben, Wassermelonen, einer Hängematte und grünem Tee, sitzt Subin auf seinem Balkon in Frankfurt und erzählt. So oft wie möglich, komme er hierher, schließlich sei der Balkon sein „study space“. An der frischen Luft kann er sich sammeln und vorbereiten, Büros finde er erstickend und könne dort nicht arbeiten. Prinzipiell sei das Wort an sich ein schwieriger Begriff: Sein Beruf mache ihm so viel Spaß, als „Arbeit“ empfinde er es nicht. Die Trennlinie zwischen Privat-und Berufsleben sei deswegen auch eine fließende.
Subins derzeitige Passion ist der Lehrberuf. Im Klassenraum unterrichtet er Englisch und Wirtschaft, bildet als Mentor Referendare aus und leitet als wissenschaftlicher Mitarbeitet auf der Goethe-Universität ein Seminar über den Fremdsprachenerwerb. Er erzählt von seinen Studien in Berlin, London und New York, wo er interdisziplinär Publizistik, Politik-und Rechtswissenschaften und danach International Studies and Diplomacy studiert hat. Geforscht hat er unter anderem in den USA, Frankfurt, Delhi und Singapur. „Also entweder war ich schon immer im Ausland oder nie“, lacht er und spricht damit auch sein letztes Projekt an, den Dokumentarfilm „Nirgendwo zuhause- überall zuhause“. Darin thematisiert er unter anderem das Phänomen, dass sich Menschen trotz Globalisierung und zunehmender Migrationsbewegungen noch immer oft allein auf Grundlage ihrer ethnischen Herkunft definieren. Ein Identifikationsmuster, das er auch bei seinen SchülerInnen manchmal vorfinde und durch kreative Ansätze aufzulösen versuche. Auch auf Grund seines fachübergreifenden Engagements wurde ihm im Jahre 2011 das „Horizonte“-Stipendium der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung verliehen.
Die Berufung zur Pädagogik und Didaktik kam spät und bleibt wohl auch nur ein Zwischenstopp. „Ich habe schon wieder ganz neue Pläne“, grinst er. Selbstständig zu werden und sich seinen eigenen „study space“ zu erschaffen. Die Suche nach der intellektuell kreativen Herausforderung ist für den energiegeladenen Generalisten noch nicht beendet.
 
***
 
Subin sits on his balcony in Frankfurt and talks, surrounded by vibrant colors, watermelon, a hammock and green tea. He spends as much time as possible here; the balcony is, after all, his study space. Here, in the fresh air, he can gather his thoughts. Offices, on the other hand, are closed and sticky and he finds it impossible to work in one. The term “work” is in and of itself a difficult word: His job is so much fun that he really cannot consider it as such. This makes the dividing line between private and professional life a flowing one. 
Subin’s passion at the moment is the teaching profession. He teaches English and economics, serves as a mentor to student teachers and heads a seminar on foreign language acquisition at The Goethe University as a member of the academic staff. He talks about his education in Berlin, London and New York where he studied interdisciplinary journalism, politics, law and then international studies and diplomacy. He has carried out research in the USA, Frankfurt, Delhi and Singapore, among other places. “I have either always been abroad or never been away”, he says with a laugh in reference to his last project, the documentary film “At Home Everywhere and Nowhere”. In this age of globalization and increasing migration, the film touches on the phenomenon of defining oneself on the basis of ethnic origin. He often sees this identification pattern in his pupils and tries to resolve it through creative approaches. He was awarded the Horizon Scholarship from the not-for-profit Hertie Foundation in 2011 for his interdisciplinary commitment. 
The calling to education and didactics came late in life and will remain one station along the way. “I already have new plans”, he grins. These include self-employment and the creation of his own study space. The search for intellectual, creative challenge has not yet come to an end for the energetic, dynamic generalist.  
 

Ana-Marija Cvitic

Subin (*Toledo, USA), balcony, Frankfurt-am-Main

English version below

Umgeben von Farben, Wassermelonen, einer Hängematte und grünem Tee, sitzt Subin auf seinem Balkon in Frankfurt und erzählt. So oft wie möglich, komme er hierher, schließlich sei der Balkon sein „study space“. An der frischen Luft kann er sich sammeln und vorbereiten, Büros finde er erstickend und könne dort nicht arbeiten. Prinzipiell sei das Wort an sich ein schwieriger Begriff: Sein Beruf mache ihm so viel Spaß, als „Arbeit“ empfinde er es nicht. Die Trennlinie zwischen Privat-und Berufsleben sei deswegen auch eine fließende.

Subins derzeitige Passion ist der Lehrberuf. Im Klassenraum unterrichtet er Englisch und Wirtschaft, bildet als Mentor Referendare aus und leitet als wissenschaftlicher Mitarbeitet auf der Goethe-Universität ein Seminar über den Fremdsprachenerwerb. Er erzählt von seinen Studien in Berlin, London und New York, wo er interdisziplinär Publizistik, Politik-und Rechtswissenschaften und danach International Studies and Diplomacy studiert hat. Geforscht hat er unter anderem in den USA, Frankfurt, Delhi und Singapur. „Also entweder war ich schon immer im Ausland oder nie“, lacht er und spricht damit auch sein letztes Projekt an, den Dokumentarfilm „Nirgendwo zuhause- überall zuhause“. Darin thematisiert er unter anderem das Phänomen, dass sich Menschen trotz Globalisierung und zunehmender Migrationsbewegungen noch immer oft allein auf Grundlage ihrer ethnischen Herkunft definieren. Ein Identifikationsmuster, das er auch bei seinen SchülerInnen manchmal vorfinde und durch kreative Ansätze aufzulösen versuche. Auch auf Grund seines fachübergreifenden Engagements wurde ihm im Jahre 2011 das „Horizonte“-Stipendium der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung verliehen.

Die Berufung zur Pädagogik und Didaktik kam spät und bleibt wohl auch nur ein Zwischenstopp. „Ich habe schon wieder ganz neue Pläne“, grinst er. Selbstständig zu werden und sich seinen eigenen „study space“ zu erschaffen. Die Suche nach der intellektuell kreativen Herausforderung ist für den energiegeladenen Generalisten noch nicht beendet.

 

***

 

Subin sits on his balcony in Frankfurt and talks, surrounded by vibrant colors, watermelon, a hammock and green tea. He spends as much time as possible here; the balcony is, after all, his study space. Here, in the fresh air, he can gather his thoughts. Offices, on the other hand, are closed and sticky and he finds it impossible to work in one. The term “work” is in and of itself a difficult word: His job is so much fun that he really cannot consider it as such. This makes the dividing line between private and professional life a flowing one.

Subin’s passion at the moment is the teaching profession. He teaches English and economics, serves as a mentor to student teachers and heads a seminar on foreign language acquisition at The Goethe University as a member of the academic staff. He talks about his education in Berlin, London and New York where he studied interdisciplinary journalism, politics, law and then international studies and diplomacy. He has carried out research in the USA, Frankfurt, Delhi and Singapore, among other places. “I have either always been abroad or never been away”, he says with a laugh in reference to his last project, the documentary film “At Home Everywhere and Nowhere”. In this age of globalization and increasing migration, the film touches on the phenomenon of defining oneself on the basis of ethnic origin. He often sees this identification pattern in his pupils and tries to resolve it through creative approaches. He was awarded the Horizon Scholarship from the not-for-profit Hertie Foundation in 2011 for his interdisciplinary commitment.

The calling to education and didactics came late in life and will remain one station along the way. “I already have new plans”, he grins. These include self-employment and the creation of his own study space. The search for intellectual, creative challenge has not yet come to an end for the energetic, dynamic generalist. 

 

Ana-Marija Cvitic

Oct 14

Kaija (* Freiburg), Children for a better world e.V., München
English text below
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wechselte Kaija von einem Herzensprojekt zum nächsten. Mit ruhiger Stimme erzählt sie von den Anfängen von „Teach First“, das sie zunächst als Masterarbeit bei der Hertie School präsentierte und es danach wagemutig in die Tat umsetzte, bevor sie  schließlich bei „children for a better world“ begann. Ihr „study space“ sei deswegen auch zweigeteilt, Teach First bleibe sie nicht nur als exekutive Gesellschafterin verbunden.
„Sich direkt vom Studium in die Selbstständigkeit zu werfen, bedeutet vor allem, sich sehr viel selbst beibringen zu müssen“, schildert sie ihre ersten Schritte als NGO-Gründerin im Jahre 2009. Das Konzept: Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen, sogenannte Fellows, mit überdurchschnittlichen akademischen Leistungen und einem engagierten Profil unterstützen den Unterricht von Schulen in sozialen Brennpunkten. Mittlerweile hat das Projekt eine Bilderbucherfolgsgeschichte hinter sich. Unter der Dachorganisation „Teach for All“ ist es global vertreten. Geplant war ein solcher Werdegang zunächst nicht, als Kaija Amerikanistik, Politik und Völkerrecht studierte und für die Vereinten Nationen arbeitete.
Mittlerweile ist sie Mutter zweier kleiner Kinder und ihre Sensibilisierung für Familienangelegenheiten und Kinderalltag habe sich zusätzlich gesteigert. „Ich habe so viel von den Kindern gelernt, mit denen wir zusammenarbeiten“, berichtet sie über ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin von „children for a better world“. Nach dem Motto, wer früh lernt, dass er etwas bewegen kann, wird sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft mehr Verantwortung übernehmen, werden neben karitativen Essensaktionen auch das Empowerment von Jugendlichen gefördert. „Es schön, etwas von Anfang an aufzubauen, aber genauso ist es spannend, etwas Bestehendes weiterzuführen“, resümiert sie zum Schluss. Von Kindern lerne man eben besten.

***

Kaija switched from one project to another with mixed feelings, since both were very close to her heart. She talks about Teach First and its beginnings in a quiet voice….the project she submitted as a master’s thesis at the Hertie School and then dared to implement before moving on to children for a better world. For this reason, her study space is divided; she remains linked to Teach First not just as executive shareholder.
“To go directly from your studies to self-employment means that you have to teach yourself a lot along the way”, she says when describing her first steps as an NGO founder in 2009. The concept: University grads from all different fields and with an exceptional academic record and commitment – so-called Fellows – provide classroom support to schools in socially disadvantaged areas. The project is a storybook success and is globally represented by the umbrella organization Teach for All. Kaija had not exactly planned this kind of career while studying American Studies, politics and international law and working at the United Nations.
Now the mother of two small children, she finds that her awareness of family and children’s issues has increased. “I have learned so much from the children we work with”, she says as she talks about her job as director of children for a better world. In addition to charitable food projects, the organization promotes and encourages empowerment among adolescents, adhering to the idea that whoever learns early on that they can create change will accept more responsibility for themselves and for society. “It’s great to build up and develop something new but it’s just as great to continue to lead something that already exists”, she sums up at the end. You learn the most from children.     
    Ana-Marija Cvitic

Kaija (* Freiburg), Children for a better world e.V., München

English text below

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wechselte Kaija von einem Herzensprojekt zum nächsten. Mit ruhiger Stimme erzählt sie von den Anfängen von „Teach First“, das sie zunächst als Masterarbeit bei der Hertie School präsentierte und es danach wagemutig in die Tat umsetzte, bevor sie  schließlich bei „children for a better world“ begann. Ihr „study space“ sei deswegen auch zweigeteilt, Teach First bleibe sie nicht nur als exekutive Gesellschafterin verbunden.

„Sich direkt vom Studium in die Selbstständigkeit zu werfen, bedeutet vor allem, sich sehr viel selbst beibringen zu müssen“, schildert sie ihre ersten Schritte als NGO-Gründerin im Jahre 2009. Das Konzept: Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen, sogenannte Fellows, mit überdurchschnittlichen akademischen Leistungen und einem engagierten Profil unterstützen den Unterricht von Schulen in sozialen Brennpunkten. Mittlerweile hat das Projekt eine Bilderbucherfolgsgeschichte hinter sich. Unter der Dachorganisation „Teach for All“ ist es global vertreten. Geplant war ein solcher Werdegang zunächst nicht, als Kaija Amerikanistik, Politik und Völkerrecht studierte und für die Vereinten Nationen arbeitete.

Mittlerweile ist sie Mutter zweier kleiner Kinder und ihre Sensibilisierung für Familienangelegenheiten und Kinderalltag habe sich zusätzlich gesteigert. „Ich habe so viel von den Kindern gelernt, mit denen wir zusammenarbeiten“, berichtet sie über ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin von „children for a better world“. Nach dem Motto, wer früh lernt, dass er etwas bewegen kann, wird sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft mehr Verantwortung übernehmen, werden neben karitativen Essensaktionen auch das Empowerment von Jugendlichen gefördert. „Es schön, etwas von Anfang an aufzubauen, aber genauso ist es spannend, etwas Bestehendes weiterzuführen“, resümiert sie zum Schluss. Von Kindern lerne man eben besten.

***

Kaija switched from one project to another with mixed feelings, since both were very close to her heart. She talks about Teach First and its beginnings in a quiet voice….the project she submitted as a master’s thesis at the Hertie School and then dared to implement before moving on to children for a better world. For this reason, her study space is divided; she remains linked to Teach First not just as executive shareholder.

“To go directly from your studies to self-employment means that you have to teach yourself a lot along the way”, she says when describing her first steps as an NGO founder in 2009. The concept: University grads from all different fields and with an exceptional academic record and commitment – so-called Fellows – provide classroom support to schools in socially disadvantaged areas. The project is a storybook success and is globally represented by the umbrella organization Teach for All. Kaija had not exactly planned this kind of career while studying American Studies, politics and international law and working at the United Nations.

Now the mother of two small children, she finds that her awareness of family and children’s issues has increased. “I have learned so much from the children we work with”, she says as she talks about her job as director of children for a better world. In addition to charitable food projects, the organization promotes and encourages empowerment among adolescents, adhering to the idea that whoever learns early on that they can create change will accept more responsibility for themselves and for society. “It’s great to build up and develop something new but it’s just as great to continue to lead something that already exists”, she sums up at the end. You learn the most from children.     

Ana-Marija Cvitic

Oct 13

Josipa (*Wien), Wiednergymnasium, Wien 
English text below
Den gutgemeinten Rat, nicht für die Schule, sondern für das Leben lerne man, bekommt die Wiener Schülerin Josipa oft zu hören. Ihre sprichwörtliche Studienstube, das Wiedner Gymnasium, ist für sie tatsächlich ein Ort des Ausprobierens.
Sechs Tage die Woche verbringt die 16-Jährige in dem großen weißen Gebäude, der „voller Bücher, Computer und Lärm“ sei. Neben dem regulären Unterricht besucht sie Freifächer wie den schulinternen Schachclub, mit dem sie landesweit den dritten Platz bei der Olympiade errang, oder die Französisch-Olympiade, bei der sie demnächst ihre Schule vertreten will.
Sprachen interessieren sie am meisten und in dieser Hinsicht wird sie von ihrer Schule gefördert und gefordert. Auf dem Stundenplan stehen neben Deutsch, Englisch, Französisch, auch Latein und Spanisch. „Ich vergleiche das Sprachenlernen mit einem Pass: wenn ich eine Sprache kann, habe ich den Pass zu einer neuen Welt, einer neuen Kultur und neuen Menschen.“ Als Journalistin möchte sie eines Tages die Welt bereisen und feilt in ihrer Schule fleißig an dem Vorhaben. Sprachgewandt wie sie ist, war die kroatisch-stämmige Schülerin die Chefredakteurin der schulinternen Zeitung „textfeld“.
Für ihr schulisches wie außerschulisches Engagement wurde ihr das START-Stipendium verliehen. Mit „study space“ verbinde sie in erster Linie das Wort „Wissensdurst“: „Ich kann mir nicht vorstellen, nicht zu Lernen“, erklärt sie. Sie möchte nicht in einem Prozess steckenbleiben, der ein lebenslanger ist. „Und die Schule ist nur ein Abschnitt davon“, erklärt Josipa. Das oft gehörte Sprichwort wurde also von ihr erfolgreich verinnerlicht.

***

Josipa, a grammar school pupil in Vienna, has often heard the well-meant advice that learning does not apply just to school but also to life. Her proverbial study space, Wiedner Grammar School, is in fact a place to try out new things.
The 16 year-old spends six days a week in the large, white building which is “full of books, computers and noise.” In addition to her regular classes, she also participates in extracurricular activities, such as the school’s chess club – she landed in third place at the nationwide Olympics – or the French Olympics, where she hopes to soon represent her school.
Languages interest her the most and in this respect, she is encouraged and supported by her school. Her schedule includes German, English, French, Latin and Spanish. “When I learn a language it is like I have obtained a passport to a new world, a new culture and new people.” She would one day like to travel the world as a journalist and is diligently working at school to achieve this goal. The articulate young woman with a Croatian background was also chief editor of the school newspaper “textfeld”.
She received a START scholarship in recognition of her curricular and extracurricular commitment. The first thing that comes to mind in connection with study space is “thirst for knowledge”. “I cannot imagine NOT learning”, she says. She does not want to become stuck in a lifelong process. “And school makes up only one chapter of it”, she explains. She has certainly taken to heart the saying she has heard so often.  

Ana-Marija Cvitic

Josipa (*Wien), Wiednergymnasium, Wien

English text below

Den gutgemeinten Rat, nicht für die Schule, sondern für das Leben lerne man, bekommt die Wiener Schülerin Josipa oft zu hören. Ihre sprichwörtliche Studienstube, das Wiedner Gymnasium, ist für sie tatsächlich ein Ort des Ausprobierens.

Sechs Tage die Woche verbringt die 16-Jährige in dem großen weißen Gebäude, der „voller Bücher, Computer und Lärm“ sei. Neben dem regulären Unterricht besucht sie Freifächer wie den schulinternen Schachclub, mit dem sie landesweit den dritten Platz bei der Olympiade errang, oder die Französisch-Olympiade, bei der sie demnächst ihre Schule vertreten will.

Sprachen interessieren sie am meisten und in dieser Hinsicht wird sie von ihrer Schule gefördert und gefordert. Auf dem Stundenplan stehen neben Deutsch, Englisch, Französisch, auch Latein und Spanisch. „Ich vergleiche das Sprachenlernen mit einem Pass: wenn ich eine Sprache kann, habe ich den Pass zu einer neuen Welt, einer neuen Kultur und neuen Menschen.“ Als Journalistin möchte sie eines Tages die Welt bereisen und feilt in ihrer Schule fleißig an dem Vorhaben. Sprachgewandt wie sie ist, war die kroatisch-stämmige Schülerin die Chefredakteurin der schulinternen Zeitung „textfeld“.

Für ihr schulisches wie außerschulisches Engagement wurde ihr das START-Stipendium verliehen. Mit „study space“ verbinde sie in erster Linie das Wort „Wissensdurst“: „Ich kann mir nicht vorstellen, nicht zu Lernen“, erklärt sie. Sie möchte nicht in einem Prozess steckenbleiben, der ein lebenslanger ist. „Und die Schule ist nur ein Abschnitt davon“, erklärt Josipa. Das oft gehörte Sprichwort wurde also von ihr erfolgreich verinnerlicht.

***

Josipa, a grammar school pupil in Vienna, has often heard the well-meant advice that learning does not apply just to school but also to life. Her proverbial study space, Wiedner Grammar School, is in fact a place to try out new things.

The 16 year-old spends six days a week in the large, white building which is “full of books, computers and noise.” In addition to her regular classes, she also participates in extracurricular activities, such as the school’s chess club – she landed in third place at the nationwide Olympics – or the French Olympics, where she hopes to soon represent her school.

Languages interest her the most and in this respect, she is encouraged and supported by her school. Her schedule includes German, English, French, Latin and Spanish. “When I learn a language it is like I have obtained a passport to a new world, a new culture and new people.” She would one day like to travel the world as a journalist and is diligently working at school to achieve this goal. The articulate young woman with a Croatian background was also chief editor of the school newspaper “textfeld”.

She received a START scholarship in recognition of her curricular and extracurricular commitment. The first thing that comes to mind in connection with study space is “thirst for knowledge”. “I cannot imagine NOT learning”, she says. She does not want to become stuck in a lifelong process. “And school makes up only one chapter of it”, she explains. She has certainly taken to heart the saying she has heard so often.  

Ana-Marija Cvitic

Oct 12

Anna (*Mainz), downtown…

English text below


„Die Stadt, die Straßen, die Menschen“, beginnt Anna, als sie über ihre Studienstube erzählt. „Mein Job ist es, durch Schlüssellöcher zu schauen; manchmal winken mich die Leute herein und erzählen mir ihre Geschichten“, erklärt sie ihre Interviewtätigkeit beim Radio. Anna ist Journalistin.



Man ist verleitet, sich Annas Arbeit zwischen vier Wänden vorzustellen, doch sieht sie ihre Studienstube selbst außerhalb eines solchen Raumes. „Meine derzeitige Stadt Berlin ist nur ein zufälliges Zusammentreffen“, erzählt Anna und meint damit, dass sie dieselbe Sache überall tun würde. „Ich studiere Menschen, wie sie leben, wie sie Entscheidungen treffen“. Das geht weit über ihren eigentlichen Beruf hinaus – es ist eine Art zu leben, die sie sowohl mit einem Kafka-Stipendium in Polen, einem Traineeship in Frankfurt a. M. oder damit verwirklichte, für sechs Wochen in Istanbul Türkisch zu lernen.



Anna kam mit dem Radio bereits während ihres Studiums in Leipzig in Kontakt, noch vor ihrer journalistischen Ausbildung in Berlin. Mephisto 97,6 ist das studentische Radio, in dem alles erlaubt war und wo sich Anna mit ihrer Leidenschaft für die Berichterstattung ausprobierte. Das gesprochene Wort des Radios holte schließlich das geschriebenen ein. „Im Radio kannst du hören, wie eine glückliche Frau klingt“, sagt Anna. Das Radio holt die Zuhörer*innen einen Schritt mehr in die Wirklichkeit. Und am Ende des Tages kommt Anna mit einem Recorder voller Interviews nach Hause, „einer ganzen Welt, die ich durch einen Trichter presse, um sie in einem bunten Tropfen zu verdichten, eine drei Minuten Geschichte“. Anna ist Alchemistin.



***



“The city, the streets, the people” says Anna about her study space.“My job is to look through the keyhole; sometimes people invite me in and tell me their stories”, she says about her interviewing for the radio. Anna is a journalist.



One might generally be tempted to imagine a study space within a four walls room. But for Anna, her study space is all the outside of such a room. “My current city, Berlin, is only a coincidence”, says Anna, meaning she would do the same thing wherever she would be. “I study the people, how they live, how they make decisions”. It goes beyond a profession – it’s a way of living, which she practiced either with a Kafka scholarship in Poland, or traineeship in Frankfurt am Main or while learning Turkish for six weeks in Istanbul.



Anna met with the radio already during her studies in Leipzig, before the journalistic school in Berlin. Mephisto 97,6 is the student run radio where everything was allowed and where she tested her passion for reportages. The spoken word on the radio slowly overcame the written one. “Through the radio you can hear how a happy woman sounds like”, says Anna. Radio brings the listener one step closer to reality. And at the end of the day, she comes back home with a recorder full of interviews, “an entire world, which I press through a funnel to condenss it into a colorful drop, a three minutes story”. Anna is an alchemist.



nata

Anna (*Mainz), downtown…

English text below

Die Stadt, die Straßen, die Menschen“, beginnt Anna, als sie über ihre Studienstube erzählt. „Mein Job ist es, durch Schlüssellöcher zu schauen; manchmal winken mich die Leute herein und erzählen mir ihre Geschichten“, erklärt sie ihre Interviewtätigkeit beim Radio. Anna ist Journalistin.

Man ist verleitet, sich Annas Arbeit zwischen vier Wänden vorzustellen, doch sieht sie ihre Studienstube selbst außerhalb eines solchen Raumes. „Meine derzeitige Stadt Berlin ist nur ein zufälliges Zusammentreffen“, erzählt Anna und meint damit, dass sie dieselbe Sache überall tun würde. „Ich studiere Menschen, wie sie leben, wie sie Entscheidungen treffen“. Das geht weit über ihren eigentlichen Beruf hinaus – es ist eine Art zu leben, die sie sowohl mit einem Kafka-Stipendium in Polen, einem Traineeship in Frankfurt a. M. oder damit verwirklichte, für sechs Wochen in Istanbul Türkisch zu lernen.

Anna kam mit dem Radio bereits während ihres Studiums in Leipzig in Kontakt, noch vor ihrer journalistischen Ausbildung in Berlin. Mephisto 97,6 ist das studentische Radio, in dem alles erlaubt war und wo sich Anna mit ihrer Leidenschaft für die Berichterstattung ausprobierte. Das gesprochene Wort des Radios holte schließlich das geschriebenen ein. „Im Radio kannst du hören, wie eine glückliche Frau klingt“, sagt Anna. Das Radio holt die Zuhörer*innen einen Schritt mehr in die Wirklichkeit. Und am Ende des Tages kommt Anna mit einem Recorder voller Interviews nach Hause, „einer ganzen Welt, die ich durch einen Trichter presse, um sie in einem bunten Tropfen zu verdichten, eine drei Minuten Geschichte“. Anna ist Alchemistin.

***

“The city, the streets, the people” says Anna about her study space.“My job is to look through the keyhole; sometimes people invite me in and tell me their stories”, she says about her interviewing for the radio. Anna is a journalist.

One might generally be tempted to imagine a study space within a four walls room. But for Anna, her study space is all the outside of such a room. “My current city, Berlin, is only a coincidence”, says Anna, meaning she would do the same thing wherever she would be. “I study the people, how they live, how they make decisions”. It goes beyond a profession – it’s a way of living, which she practiced either with a Kafka scholarship in Poland, or traineeship in Frankfurt am Main or while learning Turkish for six weeks in Istanbul.

Anna met with the radio already during her studies in Leipzig, before the journalistic school in Berlin. Mephisto 97,6 is the student run radio where everything was allowed and where she tested her passion for reportages. The spoken word on the radio slowly overcame the written one. “Through the radio you can hear how a happy woman sounds like”, says Anna. Radio brings the listener one step closer to reality. And at the end of the day, she comes back home with a recorder full of interviews, “an entire world, which I press through a funnel to condenss it into a colorful drop, a three minutes story”. Anna is an alchemist.

nata