Stefanie (Munich), Curator, Berlin Weekly, Linienstrasse 160, 10115 Berlin Mitte

English below

Unsere diesjährige Reise mit Project Space Festival geht zu Ende. Heute halten wir kurz bei BERLIN-WEEKLY Projektraum auf, wo wir die Kuratorin Stefanie treffen. Sie kannte die erfolgreiche Galerie, die früher hier, unter der gleichen Adresse, bestand. Sie wollte einen Raum, um die künstlerischen Arbeiten außerhalb des offiziellen Kunstmarkts zu zeigen, wusste aber nicht, wie Sie vorgehen sollte. Es war wie durch Zufall, dass sie die Kontrolle über diese eigentümliche Lage im Juni 2010 übernahm. In weniger als 2 Wochen wurde die Galerie zum Projektraum. Trotz der Bedeutung seines Namens, entstehen neue Installationen jeden Monat.

 Nicht nur als Künstlerin - sie ist eine Fotografin - sondern auch als ehemaliger Wissenschaftlerin ist sie über den Kunstmarkt gut informiert. Sie schrieb ihre Diplomarbeit über den Bedingungen der Erfolg von den Künstlern. “Nur ein paar Galerien in Berlin halten ihre Preise hoch ” - sagte sie. Seit dem Anfang und fast ohne Pausen arbeitet Sie daran, die Künstler, in der Umgebung von bekannten Galerien, sichtbar zu machen. Und es ist keine Überraschung, dass sie uns von ihrer Tätigkeit im “Netzwerk freier Berliner Projekträume und –initiativen”, einem Netzwerk unabhängiger Projekträume in Berlin erzählt.

 Die heutige Ausstellung ist eine Soundinstallation, die die Besucher einlädt, mit den Objekten im Raum zu interagieren. Eine temporäre Holzbank erweitert den Raum auf der Straße, wird der Betonsockel von dem Großrohr in Llila - Rosa lackiert, ideal positioniert, und als Couchtisch verwendet. Später werden die Türen geschlossen, die Bank beiseite getan, aber die ganze Frontscheibe wird die Arbeit bis zum nächsten Event für vorbeilaufenden Menschen sichtbar lassen.



***

The journey offered by the Project Space Festival is coming to an end for this year. Today we make a stop by the BERLIN-WEEKLY project space where we meet the curator Stefanie. She knew the successful gallery existing before at the same address, she wanted a space to show artists work out of the official market circuit but didn’t know how to proceed. It’s almost by coincidence that she took control of this peculiar location in June 2010. In less than two weeks the gallery became a project space, and despite of its name new installations are opening every month.

She is well informed about the art market not only as an artist - she is a photographer - but also as a former student. She wrote her thesis on the condition of success for an artist. “Only a few galleries are keeping their prices high in Berlin” she said. Since the beginning and almost without any breaks, she has been giving visibility to artists in an area surrounded by known galleries. And it is no surprise that she tells us about her activity within the “Netzwerk freier Berliner Projekträume und –initiativen”, a network of independent project spaces in Berlin.

Today’s exhibition is a sound installation which invites the visitors to interact with the objects in the room. A temporary wooden bench extends the space in the street, the concrete base for the large pipe painted in purple pink is ideally placed and used as a coffee table. Later the doors will be closed, the bench put away, but the whole front window will let the work be visible to the people walking on the street until next event.

mrbonsoir

Stefanie (Munich), Curator, Berlin Weekly, Linienstrasse 160, 10115 Berlin Mitte

English below

Unsere diesjährige Reise mit Project Space Festival geht zu Ende. Heute halten wir kurz bei BERLIN-WEEKLY Projektraum auf, wo wir die Kuratorin Stefanie treffen. Sie kannte die erfolgreiche Galerie, die früher hier, unter der gleichen Adresse, bestand. Sie wollte einen Raum, um die künstlerischen Arbeiten außerhalb des offiziellen Kunstmarkts zu zeigen, wusste aber nicht, wie Sie vorgehen sollte. Es war wie durch Zufall, dass sie die Kontrolle über diese eigentümliche Lage im Juni 2010 übernahm. In weniger als 2 Wochen wurde die Galerie zum Projektraum. Trotz der Bedeutung seines Namens, entstehen neue Installationen jeden Monat.

Nicht nur als Künstlerin - sie ist eine Fotografin - sondern auch als ehemaliger Wissenschaftlerin ist sie über den Kunstmarkt gut informiert. Sie schrieb ihre Diplomarbeit über den Bedingungen der Erfolg von den Künstlern. “Nur ein paar Galerien in Berlin halten ihre Preise hoch ” - sagte sie. Seit dem Anfang und fast ohne Pausen arbeitet Sie daran, die Künstler, in der Umgebung von bekannten Galerien, sichtbar zu machen. Und es ist keine Überraschung, dass sie uns von ihrer Tätigkeit im Netzwerk freier Berliner Projekträume und –initiativen, einem Netzwerk unabhängiger Projekträume in Berlin erzählt.

Die heutige Ausstellung ist eine Soundinstallation, die die Besucher einlädt, mit den Objekten im Raum zu interagieren. Eine temporäre Holzbank erweitert den Raum auf der Straße, wird der Betonsockel von dem Großrohr in Llila - Rosa lackiert, ideal positioniert, und als Couchtisch verwendet. Später werden die Türen geschlossen, die Bank beiseite getan, aber die ganze Frontscheibe wird die Arbeit bis zum nächsten Event für vorbeilaufenden Menschen sichtbar lassen.

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The journey offered by the Project Space Festival is coming to an end for this year. Today we make a stop by the BERLIN-WEEKLY project space where we meet the curator Stefanie. She knew the successful gallery existing before at the same address, she wanted a space to show artists work out of the official market circuit but didn’t know how to proceed. It’s almost by coincidence that she took control of this peculiar location in June 2010. In less than two weeks the gallery became a project space, and despite of its name new installations are opening every month.

She is well informed about the art market not only as an artist - she is a photographer - but also as a former student. She wrote her thesis on the condition of success for an artist. “Only a few galleries are keeping their prices high in Berlin” she said. Since the beginning and almost without any breaks, she has been giving visibility to artists in an area surrounded by known galleries. And it is no surprise that she tells us about her activity within the “Netzwerk freier Berliner Projekträume und –initiativen”, a network of independent project spaces in Berlin.

Today’s exhibition is a sound installation which invites the visitors to interact with the objects in the room. A temporary wooden bench extends the space in the street, the concrete base for the large pipe painted in purple pink is ideally placed and used as a coffee table. Later the doors will be closed, the bench put away, but the whole front window will let the work be visible to the people walking on the street until next event.

mrbonsoir

Frank (*Zürich), Founder & Susanne (*Görlitz), Curator, District Kunst- und Kulturförderung, Bessemerstraße 2 – 14, 12103 Berlin – TempelhofEnglish below
Schon von Weitem kann man die vier Türme der ehemaligen Malzfabrik ausmachen. Von ihnen steigt kein Rauch mehr in den Berliner Himmel – mittlerweile sind sie Teil des Logos und der Identität einer neuen Organisation. Womöglich versetzen sie die Betrachter*in auch in den Glauben, ein Schiff zu sehen, das über den riesigen Hof schippert. Und das ist kein Zufall, seitdem die Fabrik tatsächlich ein Ort der Imagination geworden ist, ein Ort, an den man geht, wenn „die Gegenwart nicht genügt“, wie Susa die Hauptkuratorin es ausdrückt. Oder wenn jemand schlicht über die Gegenwart hinaus- oder umgreifen, oder in ihre Taschen schauen will.
Frank übernahm die ehemalige Malzfabrik 2009 und beherbergt nun neben den künstlerischen Projekten viele andere Unternehmungen dort. Sein langfristiges Projekt mit dem Fabrikgelände hält ihn mehr in Berlin als in Zürich. Er schaute sich „nach einen Raum für seine Kunststiftung um“ und hat ihn hier gefunden, sagt der Sammler, und dennoch, seine Arbeit mit District geht über diese Örtlichkeit und seine Leidenschaft für Kunst hinaus. Es reicht in die Tiefe, was der große Ehrgeiz hinsichtlich „Forschung und Entwicklung“ anbelangt und überwindet Grenzen, konkret die des Tempelhofer Stadtgebietes. Ihr „Forgotten Pioneer Movement“ ist gerade dabei auf die Berliner Straße überzulaufen. Ihre gegenwärtige Arbeit zielt auch in die Weite, in punkto Zeit „denken wir in der Kategorie von Generationen: Wo werden wir in 30 Jahren sein? Welche Verantwortung können wir übernehmen?“ fragt Frank.

District ist ein „Atelierraum, wir unterstützen Künstler*innen in ihrem Prozess parallel zu den Märkten zu arbeiten; wir integrieren Minderheiten“, sagt Frank. Bei District schaut man sich permanent nach neuen Ideen um, ohne Angst vor Experimenten – weder heute noch auf der kommenden Berlin Art Week. District stellt „Kunst aus, die sich an der Schwelle der Produktion von Wissen befindet“, sagt Susa. Es ist ein Labor um Architektur und Diskurse zu transformieren; um neue Narrative zu finden – ein neues Vokabular.
***
One can spot from afar the four towers of the former malt factory. No smoke comes out from them anymore - they are now part of the new logo and identity of this new organization. They might also trick the viewer into imagining a ship, sailing across the massive courtyard. And it’s not by chance, since the factory has indeed become a place for imagining, a place to go to when “the present is not enough”, how Susa, the main curator, puts it. Or when one wants to simply reach beyond the present, around it or look into its pockets.

Frank took over the former malt factory in 2009 and is now hosting many initiatives there, besides the art project space. His long term development project keeps him more in Berlin than in Zürich. He has been “looking for a space for the art foundation”, says the collector, yet the work at District goes beyond their venue and Frank’s passion for art. It surpasses them in depth, in their great “research and development” ambitions, and in reach, going beyond their geography in Tempelhof. Their “Forgotten Pioneer Movement” is about to spill over onto the streets of Berlin. Their current work also aims further in terms of time “we think in terms of generations: where will we be in 30 years? What responsibilities can we take on?” asks Frank.

District is a “studio space, we’re supporting artists in the process of working parallel to any market; we’re integrating minority groups”, says Frank. At District they are constantly looking for new ideas, not being afraid to experiment – either today or at the upcoming Berlin Art Week. District showcases “art on the threshold of knowledge production”, says Susa. It’s a laboratory for transforming architecture and discourse. For finding a new narrative – a new vocabulary.
nata

Frank (*Zürich), Founder & Susanne (*Görlitz), Curator, District Kunst- und Kulturförderung, Bessemerstraße 2 – 14, 12103 Berlin – Tempelhof

English below

Schon von Weitem kann man die vier Türme der ehemaligen Malzfabrik ausmachen. Von ihnen steigt kein Rauch mehr in den Berliner Himmel – mittlerweile sind sie Teil des Logos und der Identität einer neuen Organisation. Womöglich versetzen sie die Betrachter*in auch in den Glauben, ein Schiff zu sehen, das über den riesigen Hof schippert. Und das ist kein Zufall, seitdem die Fabrik tatsächlich ein Ort der Imagination geworden ist, ein Ort, an den man geht, wenn „die Gegenwart nicht genügt“, wie Susa die Hauptkuratorin es ausdrückt. Oder wenn jemand schlicht über die Gegenwart hinaus- oder umgreifen, oder in ihre Taschen schauen will.

Frank übernahm die ehemalige Malzfabrik 2009 und beherbergt nun neben den künstlerischen Projekten viele andere Unternehmungen dort. Sein langfristiges Projekt mit dem Fabrikgelände hält ihn mehr in Berlin als in Zürich. Er schaute sich „nach einen Raum für seine Kunststiftung um“ und hat ihn hier gefunden, sagt der Sammler, und dennoch, seine Arbeit mit District geht über diese Örtlichkeit und seine Leidenschaft für Kunst hinaus. Es reicht in die Tiefe, was der große Ehrgeiz hinsichtlich „Forschung und Entwicklung“ anbelangt und überwindet Grenzen, konkret die des Tempelhofer Stadtgebietes. Ihr „Forgotten Pioneer Movement“ ist gerade dabei auf die Berliner Straße überzulaufen. Ihre gegenwärtige Arbeit zielt auch in die Weite, in punkto Zeit „denken wir in der Kategorie von Generationen: Wo werden wir in 30 Jahren sein? Welche Verantwortung können wir übernehmen?“ fragt Frank.

District ist ein „Atelierraum, wir unterstützen Künstler*innen in ihrem Prozess parallel zu den Märkten zu arbeiten; wir integrieren Minderheiten“, sagt Frank. Bei District schaut man sich permanent nach neuen Ideen um, ohne Angst vor Experimenten – weder heute noch auf der kommenden Berlin Art Week. District stellt „Kunst aus, die sich an der Schwelle der Produktion von Wissen befindet“, sagt Susa. Es ist ein Labor um Architektur und Diskurse zu transformieren; um neue Narrative zu finden – ein neues Vokabular.


***

One can spot from afar the four towers of the former malt factory. No smoke comes out from them anymore - they are now part of the new logo and identity of this new organization. They might also trick the viewer into imagining a ship, sailing across the massive courtyard. And it’s not by chance, since the factory has indeed become a place for imagining, a place to go to when “the present is not enough”, how Susa, the main curator, puts it. Or when one wants to simply reach beyond the present, around it or look into its pockets.

Frank took over the former malt factory in 2009 and is now hosting many initiatives there, besides the art project space. His long term development project keeps him more in Berlin than in Zürich. He has been “looking for a space for the art foundation”, says the collector, yet the work at District goes beyond their venue and Frank’s passion for art. It surpasses them in depth, in their great “research and development” ambitions, and in reach, going beyond their geography in Tempelhof. Their “Forgotten Pioneer Movement” is about to spill over onto the streets of Berlin. Their current work also aims further in terms of time “we think in terms of generations: where will we be in 30 years? What responsibilities can we take on?” asks Frank.

District is a “studio space, we’re supporting artists in the process of working parallel to any market; we’re integrating minority groups”, says Frank. At District they are constantly looking for new ideas, not being afraid to experiment – either today or at the upcoming Berlin Art Week. District showcases “art on the threshold of knowledge production”, says Susa. It’s a laboratory for transforming architecture and discourse. For finding a new narrative – a new vocabulary.



nata

Melissa (* Tucson, US), Curator, Secondary Narratives, Berlin 
English below
Heute treffen wir Melissa: eine lächelnde, energievolle und heitere Künstlerin, ein Mitglied der Gruppe von sechs, die hinter Secondary Narratives stehen. 
Melissa ist eine bildende Künstlerin, die in Berlin seit 2008 lebt. Sie arbeitete bei vielen Kooperationsprojekten, wie zum Beispielfeminist art collective ff (das feministische Kunstkollektiv ff). Melissa ist auch die Direktorin von The Wand, der für zwei Jahre über eigenen Räumlichkeiten verfügte. Heute ist der physische Raum nicht mehr vorhanden, aber The Wand existiert immer noch: durch die Realisierung der kunstbezogenen Aktivitäten auf nomadische Art und Weise, und als Komponente der Secondary Narratives.
Als ein Teil des Project Space Festival, sind sie nicht ein Raum, sondern eine Plattform die verschiedene Aktivitäten überall in der Stadt organisiert. Melissa findet keine Notwendigkeit einer festen Adresse: ”nicht einen bestimmten Raum zu haben, bedeutet mehr Freiheit. Die Rahmen für die Kunst, die wir zeigen wollen erstellt die Stadt.”
Secondary Narratives hat eine organische Art und Weise des Funktionierens: sie schlagen verschiedene Ausstellungen von verschiedenen Kuratoren vor. Jede Veranstaltung ist unabhängig, aber immer noch ein Baustein einer größeren Erzählung. Sie kamen mit diesem Namen (eng. Sekundäre Erzählungen), um die Idee von einer anderen Art der Annäherung an die Kunst, die Räume, die kuratorische Arbeit, die Institutionen, und an die Künstler zum Ausdruck zu bringen… “Sie ist sekundär gegenüber der institutionalisierten Kunstwelt.” - sagt Melissa.
Ihre Motivation ein Teil von dieser Plattform zu sein, ist der Drang zu Experimente, die zu Lernen und zu Wachsen führen. Melissa mag  Gemeinschaft-orientierte Projekte und ihre sozialen Anwendungen in familiärer Weise und mit viel Autonomie.
In der Tat bietet Secondary Narratives den sechs Mitglieder die Möglichkeiten zu experimentieren und zu erforschen. Berlin ist ihre Bühne.

***

Today, we’re meeting Melissa: a smiling, energetic and bright artist who is a member of the group of six people behind Secondary Narratives. 
Melissa is a visual artist who has been living in Berlin since 2008. She worked for many collaborative projects, like the feminist art collective fffor example. Melissa is also the Director of The Wand, which had a dedicated space for two years. Today, the physical space doesn’t exist anymore, but The Wand is still creating art related activities in a nomadic way and as component of Secondary Narratives. 
While they are part of the Project Space Festival, it is not a space but rather a platform organising different activities anywhere in the city. Melissa doesn’t find the need for a fixed address: ”not having a dedicated space means more freedom. The whole city is providing the framework for the art we want to show.”
Secondary Narratives has an organic way of functioning: they propose different exhibitions by different curators. Each event is independent but still part of a larger narrative. They came up with that name in order to express the idea of another way of approaching art, public, spaces, curating work, institutions, artists… ”It’s secondary to the institutionalised art world”, says Melissa.
Her motivation to be part of this platform is to experiment more, which leads to learning and growing. Melissa likes community oriented projects and their social applications, in a familial way and with a lot of autonomy.
Indeed, Secondary Narratives offers opportunities for the six of them to experiment and explore. Berlin is their stage.

Yelyam

Melissa (* Tucson, US), Curator, Secondary Narratives, Berlin 

English below

Heute treffen wir Melissa: eine lächelnde, energievolle und heitere Künstlerin, ein Mitglied der Gruppe von sechs, die hinter Secondary Narratives stehen.

Melissa ist eine bildende Künstlerin, die in Berlin seit 2008 lebt. Sie arbeitete bei vielen Kooperationsprojekten, wie zum Beispielfeminist art collective ff (das feministische Kunstkollektiv ff). Melissa ist auch die Direktorin von The Wand, der für zwei Jahre über eigenen Räumlichkeiten verfügte. Heute ist der physische Raum nicht mehr vorhanden, aber The Wand existiert immer noch: durch die Realisierung der kunstbezogenen Aktivitäten auf nomadische Art und Weise, und als Komponente der Secondary Narratives.

Als ein Teil des Project Space Festival, sind sie nicht ein Raum, sondern eine Plattform die verschiedene Aktivitäten überall in der Stadt organisiert. Melissa findet keine Notwendigkeit einer festen Adresse: ”nicht einen bestimmten Raum zu haben, bedeutet mehr Freiheit. Die Rahmen für die Kunst, die wir zeigen wollen erstellt die Stadt.

Secondary Narratives hat eine organische Art und Weise des Funktionierens: sie schlagen verschiedene Ausstellungen von verschiedenen Kuratoren vor. Jede Veranstaltung ist unabhängig, aber immer noch ein Baustein einer größeren Erzählung. Sie kamen mit diesem Namen (eng. Sekundäre Erzählungen), um die Idee von einer anderen Art der Annäherung an die Kunst, die Räume, die kuratorische Arbeit, die Institutionen, und an die Künstler zum Ausdruck zu bringen… “Sie ist sekundär gegenüber der institutionalisierten Kunstwelt.” - sagt Melissa.

Ihre Motivation ein Teil von dieser Plattform zu sein, ist der Drang zu Experimente, die zu Lernen und zu Wachsen führen. Melissa mag  Gemeinschaft-orientierte Projekte und ihre sozialen Anwendungen in familiärer Weise und mit viel Autonomie.

In der Tat bietet Secondary Narratives den sechs Mitglieder die Möglichkeiten zu experimentieren und zu erforschen. Berlin ist ihre Bühne.

***

Today, we’re meeting Melissa: a smiling, energetic and bright artist who is a member of the group of six people behind Secondary Narratives.

Melissa is a visual artist who has been living in Berlin since 2008. She worked for many collaborative projects, like the feminist art collective fffor example. Melissa is also the Director of The Wand, which had a dedicated space for two years. Today, the physical space doesn’t exist anymore, but The Wand is still creating art related activities in a nomadic way and as component of Secondary Narratives. 

While they are part of the Project Space Festival, it is not a space but rather a platform organising different activities anywhere in the city. Melissa doesn’t find the need for a fixed address: ”not having a dedicated space means more freedom. The whole city is providing the framework for the art we want to show.”

Secondary Narratives has an organic way of functioning: they propose different exhibitions by different curators. Each event is independent but still part of a larger narrative. They came up with that name in order to express the idea of another way of approaching art, public, spaces, curating work, institutions, artists… ”It’s secondary to the institutionalised art world”, says Melissa.

Her motivation to be part of this platform is to experiment more, which leads to learning and growing. Melissa likes community oriented projects and their social applications, in a familial way and with a lot of autonomy.

Indeed, Secondary Narratives offers opportunities for the six of them to experiment and explore. Berlin is their stage.

Yelyam

Susanne (*Bad Salzuflen, DE), Director, L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V., 
Linienstraße 40,
10178 Berlin Mitte
English below

Dies ist eine Geschichte über Dinge, die gesehen und Dinge, die übersehen werden. Es geht um den Blick auf die Stadt jenseits ihrer Architektur. Susanne ist die Leiterin des Kunstvereins L40 seit 2010. Man findet das L40 bei vielen ortsspezifischen Projekten, über ganz Berlin verteilt, oder auf einer der Etagen des kuriosen, dunklen Gebäudes über dem Rosa-Luxemburg-Platz. Sie sind ebenfalls auf der jährlichen Berlin Art Week und dem Galerien Wochenende vertreten. Susanne „arbeitet seit Ewigkeiten mit Konzeptkunst. Es ist eine Weise Dinge an die Oberfläche zu bringen, eine Weise Konzepte zu verschieben“.

Das Team von L40 ist klein und teilt sich die Aufgaben. „Ich habe heute Morgen sogar schon Blume pflanzte“, sagt Susanne. Die Schnecken hatten die erste Reihe der Blumen für die heutige Veranstaltung aufgegessen und so ging es darum, schnell eine Lösung zu finden. Das Arbeiten in und mit dem öffentlichen Raum bringt unerwartetes mit sich. Und dann braucht man auch das richtige Auge dafür – „manchmal würden die Leute nicht mal einen Elefanten in der Mitte der Straße bemerken“, sagt Susanne.

Manchmal bleiben Dinge. „Ursprünglich wurden wir für ein Jahr hierher eingeladen, dann aber gefiel ihnen, was wir machen so sehr, dass wir immer noch hier sind; obwohl mir die Idee eines obdachlosen Kunstvereins eigentlich gefällt“. Und bevor ihre Konzepte in die Stadt überlaufen, nutzen sie diesen Raum – sowohl das Foyer als auch ihre Etage.

Andere Dinge verschwinden. Man muss aufmerksam sein, um Paulas Arbeit für das Festival aus Eis zu entdecken. Und man hat nur einige Stunden dafür,

bevor sie geschmolzen

ist…


***


This is a story about seen and un-seen things. It’s about a way of looking at your city beyond its architecture. Susanne has been the director of the L40 Art Association since 2010. One can find them in the many site-specific projects spread out through the public space of Berlin or on one of the floors of the curious, dark building above Rosa-Luxemburg-Platz. They are also present both at the yearly Berlin Art Week and at Gallery Weekend. Susanne has been “working forever with conceptual art; it’s one way of bringing issues to the surface, of shifting conceptions”.

Their team is small and they share the tasks. “I was even planting flowers this morning”, she says. The snails had eaten the first row of flowers for today’s event and they had to find a fast solution. Working in and with public space leaves room for unexpected. And then, one also needs to have eyes for it – “it’s sometimes possible not noticing the elephant in the middle of the street”, says Susanne.

Some things stay. “We were invited to stay for a year in this building, but they liked what we were doing so we’re still here, even if I somewhat liked the idea of an Art Association without a space”. And they use their space, before spilling over into the city – both the foyer and their floor.

And some things fade away. One has to look carefully to spot Paula’s ice work for the festival. And one has only hours to do so

before it melts

away..


nata

Susanne (*Bad Salzuflen, DE), Director, L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V., 
Linienstraße 40,
10178 Berlin Mitte

English below

Dies ist eine Geschichte über Dinge, die gesehen und Dinge, die übersehen werden. Es geht um den Blick auf die Stadt jenseits ihrer Architektur. Susanne ist die Leiterin des Kunstvereins L40 seit 2010. Man findet das L40 bei vielen ortsspezifischen Projekten, über ganz Berlin verteilt, oder auf einer der Etagen des kuriosen, dunklen Gebäudes über dem Rosa-Luxemburg-Platz. Sie sind ebenfalls auf der jährlichen Berlin Art Week und dem Galerien Wochenende vertreten. Susanne „arbeitet seit Ewigkeiten mit Konzeptkunst. Es ist eine Weise Dinge an die Oberfläche zu bringen, eine Weise Konzepte zu verschieben“.

Das Team von L40 ist klein und teilt sich die Aufgaben. „Ich habe heute Morgen sogar schon Blume pflanzte“, sagt Susanne. Die Schnecken hatten die erste Reihe der Blumen für die heutige Veranstaltung aufgegessen und so ging es darum, schnell eine Lösung zu finden. Das Arbeiten in und mit dem öffentlichen Raum bringt unerwartetes mit sich. Und dann braucht man auch das richtige Auge dafür – „manchmal würden die Leute nicht mal einen Elefanten in der Mitte der Straße bemerken“, sagt Susanne.

Manchmal bleiben Dinge. „Ursprünglich wurden wir für ein Jahr hierher eingeladen, dann aber gefiel ihnen, was wir machen so sehr, dass wir immer noch hier sind; obwohl mir die Idee eines obdachlosen Kunstvereins eigentlich gefällt“. Und bevor ihre Konzepte in die Stadt überlaufen, nutzen sie diesen Raum – sowohl das Foyer als auch ihre Etage.

Andere Dinge verschwinden. Man muss aufmerksam sein, um Paulas Arbeit für das Festival aus Eis zu entdecken. Und man hat nur einige Stunden dafür,

bevor sie geschmolzen

ist…

***

This is a story about seen and un-seen things. It’s about a way of looking at your city beyond its architecture. Susanne has been the director of the L40 Art Association since 2010. One can find them in the many site-specific projects spread out through the public space of Berlin or on one of the floors of the curious, dark building above Rosa-Luxemburg-Platz. They are also present both at the yearly Berlin Art Week and at Gallery Weekend. Susanne has been “working forever with conceptual art; it’s one way of bringing issues to the surface, of shifting conceptions”.

Their team is small and they share the tasks. “I was even planting flowers this morning”, she says. The snails had eaten the first row of flowers for today’s event and they had to find a fast solution. Working in and with public space leaves room for unexpected. And then, one also needs to have eyes for it – “it’s sometimes possible not noticing the elephant in the middle of the street”, says Susanne.

Some things stay. “We were invited to stay for a year in this building, but they liked what we were doing so we’re still here, even if I somewhat liked the idea of an Art Association without a space”. And they use their space, before spilling over into the city – both the foyer and their floor.

And some things fade away. One has to look carefully to spot Paula’s ice work for the festival. And one has only hours to do so

before it melts

away..

nata

Clemence (*Roanne, FR) & Antoine (*Paris), Artists, Center, Kurfürstenstr. 174, 10785 Berlin Schöneberg
English below
Obgleich wir schon den Reiseplan fest in den Händen hielten, hat uns der Festivalzug nicht die Überraschung an den Stationen geraubt. Die heutige Lokomotive nahm die Besucher von Schöneberg, wo die Bahnlinien von Center ihren Anfang nehmen, in den Grunewald mit, in dem Stoneroses die heutige fantastische Reise orchestrierte: Kopfkissen auf umgelegten Baumstämmen, Laser-Eingravierungen auf Blättern, Witze erzählende Bäume, einen Gitarrenspieler auf dem Waldweg.
„Man hat uns vor einem Jahr eingeladen, Center zu übernehmen“, sagt Clemence. Lin gründete es 2003 und seitdem wurden die Schlüssel mehrere Male an jüngere Zugführer weitergegeben. Das hält Center jung, ihr Netzwerk ist aber großer geworden. Der Raum fiel ihnen als ein „Freifahrschein“ in die Hände, erzählt Clemence, und meint damit, dass keine Restriktionen, keine vorverlegten Schienen existieren. „Es war eine leere Hülle“, meint Antoine, in der die beiden tun und lassen konnten, was ihnen in den Sinn kam. Bis zum nächsten Jahr – wenn sie wahrscheinlich die „Schlüssel selbst weitergeben“ werden.
Der erste „Projektraum“ des Künstlerduos war virtuell – sie erstellten gemeinsam eine online Plattform für aufkommende Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Kurator*innen, die sich auf die technologische und digitale Welt konzentrieren. Clemence & Antoine haben die Plattform mittlerweile mit einem physikalischen Raum komplettiert – mit ihrer Arbeit im Center. Und nach fast einem Jahr vergrößerten sie das Spektrum ihres eigentlichen Raumes mit der heutigen Freiluft ortsspezifischen Intervention. Nächsten Monat dann planen sie die nächste Erweiterung: mit einer Kollaboration die sie raus aus der Stadt, den ganzen Weg nach Mexiko bringt. Antoine trifft es mit seinen Worten genau: „Wir spielen mit Raum“ – online oder offline, grün oder metallisch, Raum oder Waggon. 
***
Having received already the itinerary of the festival train journey didn’t steal away the surprise of the stations. Today’s locomotive took the viewer from Schöneberg, where the railway of Center begins, to Grunewald, where Stoneroses orchestrated today’s fantastic journey: pillows on branches, laser engraved on leaves, trees telling jokes, a guitar player on a forest pathway. 
“We were invited to run Center a year ago”, says Clemence. Lin founded it back in 2003 and since then the keys were passed on several times to younger conductors. This keeps the Center young, but nevertheless connected to an overarching network built over years. The space did come to them as a “white card”, says Clemence – meaning no instructions for use, no pre-given rail tracks. “It was an empty shell”, says Antoine, the two of them could do with it what they could imagine. Until next year – when they will most probably “pass on the keys” themselves.
The first project “space” of the artist duo was virtual – they’ve put together an online platform dedicated to emerging artists, writers and curators focused on the use of technology & digital economy. Clemence & Antoine have equipped it with a physical space in the meanwhile, with their work at the Center. And after almost a year, they’ve already zoomed out of the very space with today’s outdoor site-specific intervention. And next month – they will even zoom out of the very city with a worldwide collaboration, all the way to Mexico. It’s like Antoine puts it – “we play with space” – online or offline, green or metallic, room or wagon.

nata

Clemence (*Roanne, FR) & Antoine (*Paris), Artists, Center, Kurfürstenstr. 174, 10785 Berlin Schöneberg

English below

Obgleich wir schon den Reiseplan fest in den Händen hielten, hat uns der Festivalzug nicht die Überraschung an den Stationen geraubt. Die heutige Lokomotive nahm die Besucher von Schöneberg, wo die Bahnlinien von Center ihren Anfang nehmen, in den Grunewald mit, in dem Stoneroses die heutige fantastische Reise orchestrierte: Kopfkissen auf umgelegten Baumstämmen, Laser-Eingravierungen auf Blättern, Witze erzählende Bäume, einen Gitarrenspieler auf dem Waldweg.

„Man hat uns vor einem Jahr eingeladen, Center zu übernehmen“, sagt Clemence. Lin gründete es 2003 und seitdem wurden die Schlüssel mehrere Male an jüngere Zugführer weitergegeben. Das hält Center jung, ihr Netzwerk ist aber großer geworden. Der Raum fiel ihnen als ein „Freifahrschein“ in die Hände, erzählt Clemence, und meint damit, dass keine Restriktionen, keine vorverlegten Schienen existieren. „Es war eine leere Hülle“, meint Antoine, in der die beiden tun und lassen konnten, was ihnen in den Sinn kam. Bis zum nächsten Jahr – wenn sie wahrscheinlich die „Schlüssel selbst weitergeben“ werden.

Der erste „Projektraum“ des Künstlerduos war virtuell – sie erstellten gemeinsam eine online Plattform für aufkommende Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Kurator*innen, die sich auf die technologische und digitale Welt konzentrieren. Clemence & Antoine haben die Plattform mittlerweile mit einem physikalischen Raum komplettiert – mit ihrer Arbeit im Center. Und nach fast einem Jahr vergrößerten sie das Spektrum ihres eigentlichen Raumes mit der heutigen Freiluft ortsspezifischen Intervention. Nächsten Monat dann planen sie die nächste Erweiterung: mit einer Kollaboration die sie raus aus der Stadt, den ganzen Weg nach Mexiko bringt. Antoine trifft es mit seinen Worten genau: „Wir spielen mit Raum“ – online oder offline, grün oder metallisch, Raum oder Waggon. 

***

Having received already the itinerary of the festival train journey didn’t steal away the surprise of the stations. Today’s locomotive took the viewer from Schöneberg, where the railway of Center begins, to Grunewald, where Stoneroses orchestrated today’s fantastic journey: pillows on branches, laser engraved on leaves, trees telling jokes, a guitar player on a forest pathway.

“We were invited to run Center a year ago”, says Clemence. Lin founded it back in 2003 and since then the keys were passed on several times to younger conductors. This keeps the Center young, but nevertheless connected to an overarching network built over years. The space did come to them as a “white card”, says Clemence – meaning no instructions for use, no pre-given rail tracks. “It was an empty shell”, says Antoine, the two of them could do with it what they could imagine. Until next year – when they will most probably “pass on the keys” themselves.

The first project “space” of the artist duo was virtual – they’ve put together an online platform dedicated to emerging artists, writers and curators focused on the use of technology & digital economy. Clemence & Antoine have equipped it with a physical space in the meanwhile, with their work at the Center. And after almost a year, they’ve already zoomed out of the very space with today’s outdoor site-specific intervention. And next month – they will even zoom out of the very city with a worldwide collaboration, all the way to Mexico. It’s like Antoine puts it – “we play with space” – online or offline, green or metallic, room or wagon.

Maik (Wilhelmshaven, DE), Joep (Utrecht, NL) , Directors, Autocenter, Leipziger Strasse 56, 10117 Berlin Mitte
English below
Heute treffen wir Maik und Joep, nicht im Leap, sondern auf der Straße davor. Es ist nicht ihr erster Raum, sie arbeiten seit 13 Jahre zusammen. Beide zogen Mitte der 90er wegen der Kunst nach Berlin, nicht im gleichen Jahr, aber fast synchron. 2001 begannen sie im Friedrichshain in einer ehemaligen Autowerkstatt auf 90qm, später zogen sie in Richtung Mitte in einen viel größeren Raum - das Autocenter. 

Dort sind sie glücklich. Es ist zentral, „peripher in der Mitte”, sagte Joep. Mit dem Umzug wurde es Zeit für etwas Neues, doch nicht vollständig. Ihre Plattform entwickelt sich langsam. seit inzwischen dreizehn Jahren. Sie sind zurückhaltend, kümmern sich um die Umgebung. „Wir kuratieren die Kuratoren, organisieren den Raum”, sagte Maik. 


Die Show muss weitergehen. Die heutige Ausstellung dauerte nur bis heute Abend. Die nächste beginnt am Freitag. Die Motivation kommt aus der Freude, von der Künstlern überrascht zu werden. „Irgendwas wird passieren“ sagen sie. Wir sehen durchs Fenster, wie die Künstler der heutigen Ausstellung aus dem Gebäude laufen, zum chinesischen Restaurant auf der anderen Seite der Straße. Es wird etwas passieren. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.

***


We meet today Maik and Joep, not far from Leap but present in the street before them. It is not their first space in Berlin and they have been working together since 13 years. Both moved to Berlin to do art. It was in the middle of the nineties, not exactly the same year but it almost happened synchronously. Since the location they started in 2001 in Friedrischain in a former car repair place of 90sqm they have moved toward the center of the city to a much bigger space, the Autocenter. 
They are happy where they are, it’s central, “a periphery in the center” said Joep. Despite the changes of address, each time for something new but not completely, their platform is expanding slowly, this year is their thirteenth year. They are discreet, set up the environment, “we curate the curators, organize the space” said Maik.
The show must go on, the one of today just lasted until today, next one is coming this Friday. Motivation comes from the joy of being surprised by the artist, something will happen they say. We look out the window, see the artist of today’s event running out the building to a Chinese restaurant other side of the street, something will happen.

mrbonsoir

Maik (Wilhelmshaven, DE), Joep (Utrecht, NL) , Directors, Autocenter, Leipziger Strasse 56, 10117 Berlin Mitte

English below

Heute treffen wir Maik und Joep, nicht im Leap, sondern auf der Straße davor. Es ist nicht ihr erster Raum, sie arbeiten seit 13 Jahre zusammen. Beide zogen Mitte der 90er wegen der Kunst nach Berlin, nicht im gleichen Jahr, aber fast synchron. 2001 begannen sie im Friedrichshain in einer ehemaligen Autowerkstatt auf 90qm, später zogen sie in Richtung Mitte in einen viel größeren Raum - das Autocenter
Dort sind sie glücklich. Es ist zentral, „peripher in der Mitte”, sagte Joep. Mit dem Umzug wurde es Zeit für etwas Neues, doch nicht vollständig. Ihre Plattform entwickelt sich langsam. seit inzwischen dreizehn Jahren. Sie sind zurückhaltend, kümmern sich um die Umgebung. „Wir kuratieren die Kuratoren, organisieren den Raum”, sagte Maik. 
Die Show muss weitergehen. Die heutige Ausstellung dauerte nur bis heute Abend. Die nächste beginnt am Freitag. Die Motivation kommt aus der Freude, von der Künstlern überrascht zu werden. „Irgendwas wird passieren“ sagen sie. Wir sehen durchs Fenster, wie die Künstler der heutigen Ausstellung aus dem Gebäude laufen, zum chinesischen Restaurant auf der anderen Seite der Straße. Es wird etwas passieren. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.
***

We meet today Maik and Joep, not far from Leap but present in the street before them. It is not their first space in Berlin and they have been working together since 13 years. Both moved to Berlin to do art. It was in the middle of the nineties, not exactly the same year but it almost happened synchronously. Since the location they started in 2001 in Friedrischain in a former car repair place of 90sqm they have moved toward the center of the city to a much bigger space, the Autocenter.


They are happy where they are, it’s central, “a periphery in the center” said Joep. Despite the changes of address, each time for something new but not completely, their platform is expanding slowly, this year is their thirteenth year. They are discreet, set up the environment, “we curate the curators, organize the space” said Maik.


The show must go on, the one of today just lasted until today, next one is coming this Friday. Motivation comes from the joy of being surprised by the artist, something will happen they say. We look out the window, see the artist of today’s event running out the building to a Chinese restaurant other side of the street, something will happen.

mrbonsoir

Marie-José (*Châtres, FR), Member & Michael (*Munich), Co-Founder, General Public, Berlin
English below
General Public trifft sich heute im Wohnzimmer der Kuratorin. Es gibt eine Couch, Bücher, ein Antonioni Poster, weitere Bücher, ein grüner Fruchtcocktail und noch viel mehr Bücher. Es klingelt metrisch. Für heute aber „ist dies keine Wohnung mehr“, sagt Marie-José über den Ort. Und sollte es noch etwas schwierig sein, den Schauplatz durch bloßes Umschauen zu ändern, wartet im Raum nebenan Yoshidas Reise zum Mittelpunkt der Erde mit drei Videokanälen. Die Eislandschaft Islands öffnet die schmale Wohnung und die Berliner Nachbarschaft in Richtung eines breiteren Programms.
Nach Jahren in der Schönhauser Allee schaut sich General Public nun nach einem neuen Ort um. Die Renovierung des Hauses ließ die Miete in die Höhe schießen, der Prenzlauer Berg hat sich unterdessen gravierend verändert. Glücklicherweise ist General Public jedoch eine Plattform von Kulturschaffenden jenseits eines sozialen Raumes, die immer „nach verschiedenen Ansätzen Ausschau halten, wie sie gute Kunstprojekte mit einer breiteren Öffentlichkeit teilen können“, sagt Michael. Und klar, die offenen Fragen gehen darüber hinaus: „Was ist unser Selbstverständnis im neuen Berlin? Was sind die Bedürfnisse der allgemeinen Öffentlichkeit im neuen Kontext?“
11 aktive Mitglieder tragen eine Fülle an interdisziplinären Veranstaltungen zusammen. Um etwas unter diesem gemeinsamen Dach zu initiieren, ist das Einverständnis aller notwendig. Weder die Veto-Regel noch das gegenwärtige Exil veränderte General Public in ein Utopia. Mittels verschiedener Kollaborationen „haben wir in unserem Exil bereits fünf Projekte gestemmt“; und möglicherweise wird letztlich nach dem heutigen Wohnzimmer der Kuratorin „ein weiteres Wohnzimmer folgen“, sagt Marie-José.
Allerdings ist noch nichts entschieden. „Neukölln ist zu jung, vielleicht Wedding“, meint Michael; Marie-José betrieb dort schon einmal einen Projektraum, bevor General Public beigetreten ist. „Wir halten nach einem Ort mit Geschichte Ausschau, zu dem wir eine weitere Schicht hinzufügen können“, sagt Michael. Es geht nicht darum, einen Punkt auf der Berliner Stadtkarte zu finden. Es geht um wiederentdeckten Projektraum.

 ***

General Public meets today in the curator’s living room. There is a couch, books, an Antonioni poster, books, green punch, and more books. The doorbell rings rhythmically. But today “this is not a flat anymore”, says Marie-José about the venue. And if it’s somewhat hard changing the spectacles while looking around, Yoshida’s Journey to the center of the Earth awaits one in the next room with three video channels. The Icelandic landscape opens up both the small apartment and the Berlin neighborhood into a wider channel.
After years in Schönhauser Allee, General Public is now looking for a new venue. The renovations of the former house rocketed the rent too high, Prenzlauer Berg has drastically changed in the meanwhile. But General Public is luckily a platform of cultural makers beyond a social space, always looking “for different approaches for sharing good art projects with a broader public”, says Michael. And the open questions go further: “How do we see ourselves in the new Berlin? What does the general public need in the new context?”
11 active members are putting together a plethora of interdisciplinary events. To start something under the common umbrella, one needs the approval of all the rest. Neither the horizontal veto rule, nor the current exile, did transform General Public into an utopia. “We’ve done already five projects in exile” through various collaborations. And maybe after today’s curator’s home “will come eventually another one”, says Marie-José.

But nothing is yet decided. “Neukölln is too young, maybe Wedding”, says Michael; Marie-José ran already a project space there before joining General Public. “We’re looking for a place with history where one can add another layer”, says Michael. This is not about finding a point on the Berlin map. It’s project space re-inventing.
nata

Marie-José (*Châtres, FR), Member & Michael (*Munich), Co-Founder, General Public, Berlin

English below

General Public trifft sich heute im Wohnzimmer der Kuratorin. Es gibt eine Couch, Bücher, ein Antonioni Poster, weitere Bücher, ein grüner Fruchtcocktail und noch viel mehr Bücher. Es klingelt metrisch. Für heute aber „ist dies keine Wohnung mehr“, sagt Marie-José über den Ort. Und sollte es noch etwas schwierig sein, den Schauplatz durch bloßes Umschauen zu ändern, wartet im Raum nebenan Yoshidas Reise zum Mittelpunkt der Erde mit drei Videokanälen. Die Eislandschaft Islands öffnet die schmale Wohnung und die Berliner Nachbarschaft in Richtung eines breiteren Programms.

Nach Jahren in der Schönhauser Allee schaut sich General Public nun nach einem neuen Ort um. Die Renovierung des Hauses ließ die Miete in die Höhe schießen, der Prenzlauer Berg hat sich unterdessen gravierend verändert. Glücklicherweise ist General Public jedoch eine Plattform von Kulturschaffenden jenseits eines sozialen Raumes, die immer „nach verschiedenen Ansätzen Ausschau halten, wie sie gute Kunstprojekte mit einer breiteren Öffentlichkeit teilen können“, sagt Michael. Und klar, die offenen Fragen gehen darüber hinaus: „Was ist unser Selbstverständnis im neuen Berlin? Was sind die Bedürfnisse der allgemeinen Öffentlichkeit im neuen Kontext?“

11 aktive Mitglieder tragen eine Fülle an interdisziplinären Veranstaltungen zusammen. Um etwas unter diesem gemeinsamen Dach zu initiieren, ist das Einverständnis aller notwendig. Weder die Veto-Regel noch das gegenwärtige Exil veränderte General Public in ein Utopia. Mittels verschiedener Kollaborationen „haben wir in unserem Exil bereits fünf Projekte gestemmt“; und möglicherweise wird letztlich nach dem heutigen Wohnzimmer der Kuratorin „ein weiteres Wohnzimmer folgen“, sagt Marie-José.

Allerdings ist noch nichts entschieden. „Neukölln ist zu jung, vielleicht Wedding“, meint Michael; Marie-José betrieb dort schon einmal einen Projektraum, bevor General Public beigetreten ist. „Wir halten nach einem Ort mit Geschichte Ausschau, zu dem wir eine weitere Schicht hinzufügen können“, sagt Michael. Es geht nicht darum, einen Punkt auf der Berliner Stadtkarte zu finden. Es geht um wiederentdeckten Projektraum.

 ***

General Public meets today in the curator’s living room. There is a couch, books, an Antonioni poster, books, green punch, and more books. The doorbell rings rhythmically. But today “this is not a flat anymore”, says Marie-José about the venue. And if it’s somewhat hard changing the spectacles while looking around, Yoshida’s Journey to the center of the Earth awaits one in the next room with three video channels. The Icelandic landscape opens up both the small apartment and the Berlin neighborhood into a wider channel.

After years in Schönhauser Allee, General Public is now looking for a new venue. The renovations of the former house rocketed the rent too high, Prenzlauer Berg has drastically changed in the meanwhile. But General Public is luckily a platform of cultural makers beyond a social space, always looking “for different approaches for sharing good art projects with a broader public”, says Michael. And the open questions go further: “How do we see ourselves in the new Berlin? What does the general public need in the new context?”

11 active members are putting together a plethora of interdisciplinary events. To start something under the common umbrella, one needs the approval of all the rest. Neither the horizontal veto rule, nor the current exile, did transform General Public into an utopia. “We’ve done already five projects in exile” through various collaborations. And maybe after today’s curator’s home “will come eventually another one”, says Marie-José.

But nothing is yet decided. “Neukölln is too young, maybe Wedding”, says Michael; Marie-José ran already a project space there before joining General Public. “We’re looking for a place with history where one can add another layer”, says Michael. This is not about finding a point on the Berlin map. It’s project space re-inventing.

nata

Franziska (*Wiesbaden), Co-Producer, after the butcher, Spittastr. 25, 10317 Berlin Lichtenberg
English below
Ständig in Bewegung, führt uns das Project Space Festival heute nach Lichtenberg. Im Gegensatz zur gestrigen Veranstaltung an der Krummen Lanke haben wir es heute mit einer gänzlich anderen Atmosphäre zu tun: Ein Beton-Jungel anstelle eines Laubwaldes. Früher gab es hier mal eine Fleischerei, heute ist es das Zuhause von Franziska und Thomas und dient als ihr eigener Kunstort und als Thomas’ Atelier. Franziska ist heute allein, denn Thomas ist im Rahmen einer Professur in Bergen unterwegs. Sie erklärt uns, wie sie ganz von selbst anfingen, hier Veranstaltungen zu geben. In der Tat “kam die Idee mit dem Gebäude”, das Thomas die Möglichkeit gab, “Künstler zu zeigen, die er mag”.
Sie begannen 2006. Bianca, die Künstlerin, die heute hier ihre Arbeiten ausstellt, war bereits damals bei der ersten Eröffnung vor acht Jahren mit dabei. Diesmal kam sie mit einem eigenen Konzept an. Es ist eine unübliche Situation, denn die Grundidee ihrer Arbeit als Kuratoren ist, immer zwei Künstler einzuladen - einen mehr und einen weniger bekannten. Dabei müssen diese nicht unbedingt zusammenarbeiten, sondern lediglich den Kunstort teilen und vielleicht ihre eigenen Universen miteinander verbinden. Nicht nur gestandene Künstler können teilnehmen, einmal im Jahr bekommen auch Studenten die Möglichkeit, den Ort zu nutzen.
Die Kuratoren schöpfen ihre Motivation zum Teil aus dem Vergnügen, ihren Ort mit anderen Menschen zu teilen. Es ist keine Art Residency im eigentlichen Sinne, aber wenn alle 6 bis 8 Wochen eine neue Vorführung ansteht, “verwandelt sich das Haus für ein paar Tage in eine Wohngemeinschaft”, sagt Franziska. Deshalb wird wahrscheinlich auch bei jeder Eröffnung Suppe serviert, eine leckere Mahlzeit, die einfach und in großen Mengen aufgetischt werden kann.

***
Always on the go, the Project Space Festival brings us today to Lichtenberg. In comparison to yesterday’s event around Krummer Lanke lake it’s a big change of atmosphere, forest of trees versus forest of beton. If the place was a former butcher’s shop, it’s no longer the case, it’s now Franziska and Thomas home, a project space they run and Thomas’s atelier. Franziska is today on her own because Thomas is away in Bergen for a professorship. She explains how they started naturally to host regular events, indeed “the idea came with the house” which made Thomas idea possible “to show artist he likes”.
They started in 2006, Bianca the artist exhibiting today was already present for the first opening eight years ago, this time she arrived with the concept. It’s not the most common situation as the basic concept of their work as curators is to invite two artists, one well known and other less. They don’t have to collaborate but they have to share the project space and maybe connect their mutual universes. Not only confirmed artists can participate, once a year students can occupy the space.
Part of the curators motivation comes from the pleasure of sharing the space with other people. It’s not an art residency, but every 6 to 8 weeks for a new show, the “house becomes sometimes a flatshare for a few days” said Franziska. This is probably why soup is served for every opening, a tasty dish that can be easily planned in large quantity.


mrbonsoir

Franziska (*Wiesbaden), Co-Producer, after the butcher, Spittastr. 25, 10317 Berlin Lichtenberg

English below

Ständig in Bewegung, führt uns das Project Space Festival heute nach Lichtenberg. Im Gegensatz zur gestrigen Veranstaltung an der Krummen Lanke haben wir es heute mit einer gänzlich anderen Atmosphäre zu tun: Ein Beton-Jungel anstelle eines Laubwaldes. Früher gab es hier mal eine Fleischerei, heute ist es das Zuhause von Franziska und Thomas und dient als ihr eigener Kunstort und als Thomas’ Atelier. Franziska ist heute allein, denn Thomas ist im Rahmen einer Professur in Bergen unterwegs. Sie erklärt uns, wie sie ganz von selbst anfingen, hier Veranstaltungen zu geben. In der Tat “kam die Idee mit dem Gebäude”, das Thomas die Möglichkeit gab, “Künstler zu zeigen, die er mag”.

Sie begannen 2006. Bianca, die Künstlerin, die heute hier ihre Arbeiten ausstellt, war bereits damals bei der ersten Eröffnung vor acht Jahren mit dabei. Diesmal kam sie mit einem eigenen Konzept an. Es ist eine unübliche Situation, denn die Grundidee ihrer Arbeit als Kuratoren ist, immer zwei Künstler einzuladen - einen mehr und einen weniger bekannten. Dabei müssen diese nicht unbedingt zusammenarbeiten, sondern lediglich den Kunstort teilen und vielleicht ihre eigenen Universen miteinander verbinden. Nicht nur gestandene Künstler können teilnehmen, einmal im Jahr bekommen auch Studenten die Möglichkeit, den Ort zu nutzen.

Die Kuratoren schöpfen ihre Motivation zum Teil aus dem Vergnügen, ihren Ort mit anderen Menschen zu teilen. Es ist keine Art Residency im eigentlichen Sinne, aber wenn alle 6 bis 8 Wochen eine neue Vorführung ansteht, “verwandelt sich das Haus für ein paar Tage in eine Wohngemeinschaft”, sagt Franziska. Deshalb wird wahrscheinlich auch bei jeder Eröffnung Suppe serviert, eine leckere Mahlzeit, die einfach und in großen Mengen aufgetischt werden kann.

***

Always on the go, the Project Space Festival brings us today to Lichtenberg. In comparison to yesterday’s event around Krummer Lanke lake it’s a big change of atmosphere, forest of trees versus forest of beton. If the place was a former butcher’s shop, it’s no longer the case, it’s now Franziska and Thomas home, a project space they run and Thomas’s atelier. Franziska is today on her own because Thomas is away in Bergen for a professorship. She explains how they started naturally to host regular events, indeed “the idea came with the house” which made Thomas idea possible “to show artist he likes”.

They started in 2006, Bianca the artist exhibiting today was already present for the first opening eight years ago, this time she arrived with the concept. It’s not the most common situation as the basic concept of their work as curators is to invite two artists, one well known and other less. They don’t have to collaborate but they have to share the project space and maybe connect their mutual universes. Not only confirmed artists can participate, once a year students can occupy the space.

Part of the curators motivation comes from the pleasure of sharing the space with other people. It’s not an art residency, but every 6 to 8 weeks for a new show, the “house becomes sometimes a flatshare for a few days” said Franziska. This is probably why soup is served for every opening, a tasty dish that can be easily planned in large quantity.

mrbonsoir

Susanne (*Görlitz) & Ulrike (*Berlin), Sketchers, Note On, Berlin
English below
Die Project Räume überraschten bisher schon mit allerhand: indem sie eine durchsichtige, ehemalige Garage erschlossen oder indem sie von einem Fenster absorbiert wurden, das sich völlig in die Straße einfügte. Der heutige Darsteller jedoch hat den Zuschauer hinter sich auf dem Festland gelassen – es war nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen, in die Krumme Lanke hinterher zu steigen. Und wenn jemand widerstand und sich auf den Weg durch den Wald begab, fand er sich zu anderen Wasser geführt – Poesie, aufgeführt von Peacock & Gerdes, McDonald  und Green.

Note On entstand 2011, damals mit einer physischen Adresse und löste sich Schritt für Schritt auf, in eine allgegenwärtige Entität. Es entwickelte sich mit dem „Überschreiten mehrerer Orte“, mit dem Blick auf „die Peripherie“, erzählt Ulrike. Es geht darum, neue Umgebungen auszuprobieren. „Wasser ist für mich ein metaphorischer, alternativer Raum“, sagt Susa und deutet damit die heutige Veranstaltung in Zehlendorf.
Auch die Methoden sind entgrenzt: „Wir laden Leute ein, ihre Gedanken sichtbar zu machen“, erzählt Ulrike. Keine Frage ist dabei zu anspruchsvoll, was die Serie Nachrichten zum Weltuntergang aus dem Jahr 2012 beweist: Was ist wichtig, wenn man dem Ende der Welt gegenüber steht? Zusammen mit Imke flechten Susa und Ulrike Note On in die ganze Stadt.1 So entsteht ein ganzes Netz aus Kollaborationen, wie One Night Stand in den KW aus diesem Jahr. Von der Last eines befestigten Raumes befreit, erlaubt Note On ebenfalls Spontaneität für die ansonsten sehr beschäftigten Initiatoren.
Es geht darum, „auf bestimmte Situationen zu reagieren“, nicht notwendigerweise auf Räume, meint Susa; und auch darum, „mit dem Kontext zu arbeiten“. Note On ist ein Ort für Kommentare – vermittelst assoziativer Strukturen, mit Hilfe von Be- und Umnennung, mit dem Um- und Übersetzen der Vertigos des alltäglichen Lebens.  Ihre Veranstaltungen nennen sie „Skizzen“, wobei deren Bibliografie auf jeden Fall beeindruckend ist.
————————————

1Dazu: Es kursieren Gerüchte darüber, dass Susa & Ulrike eine Bewegung mit dem Namen “The Forgotten Pioneer Movement” gegründet haben, die die Straßen der Stadt überzieht.


 ***
The Project Rooms have so far already surprised Berlin by opening up in a see-through former garage or by getting absorbed into a single window that blends in with the street. But today’s character even left the viewer behind at the shore – the temptation to follow into Krumme Lanke was high. And if one resisted it and found their way through the forest, they would have found themselves seduced into yet another lake – of poetry, by Peacock & Gerdes, McDonald and Green performing.
Although Note On did begin back in 2011 with a physical address, but slowly dissolved into an ubiquitous entity. It moved on to “transgressing several spaces”, with an eye on “the periphery”, says Ulrike. It’s about testing new environments. “I think of water as a metaphorical, alternative space”, says Susa about today’s event in Zehlendorf.
And the method is also open: “We invite people to visualize their thoughts”, says Ulrike. No question is too challenging – as the Apocalypse series back in 2012 proved: what is important when facing the end of the world? Susa and Ulrike, together with Imke, spell out Note On throughout the city1, with a web of collaborations, like One Night Stand in KW earlier this year. Freed from a fixed space, Note On allows fluidity also for the otherwise busy initiators. 
It’s about “responsiveness to a certain situation”, says Susa, not necessarily to a space. It’s “work with the context”. Note On is a place for comments – through associative structures, through naming & re-naming, through translating the vertigos of every day. “Sketches” – they call their events; but their bibliography surely is impressive.

 ————————————
1For new writings of Susa & Ulrike: There are rumors about the two of them having found a movement called “The Forgotten Pioneer Movement” which invades the streets of Berlin.

nata

Susanne (*Görlitz) & Ulrike (*Berlin), Sketchers, Note On, Berlin

English below

Die Project Räume überraschten bisher schon mit allerhand: indem sie eine durchsichtige, ehemalige Garage erschlossen oder indem sie von einem Fenster absorbiert wurden, das sich völlig in die Straße einfügte. Der heutige Darsteller jedoch hat den Zuschauer hinter sich auf dem Festland gelassen – es war nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen, in die Krumme Lanke hinterher zu steigen. Und wenn jemand widerstand und sich auf den Weg durch den Wald begab, fand er sich zu anderen Wasser geführt – Poesie, aufgeführt von Peacock & Gerdes, McDonald  und Green.

Note On entstand 2011, damals mit einer physischen Adresse und löste sich Schritt für Schritt auf, in eine allgegenwärtige Entität. Es entwickelte sich mit dem „Überschreiten mehrerer Orte“, mit dem Blick auf „die Peripherie“, erzählt Ulrike. Es geht darum, neue Umgebungen auszuprobieren. „Wasser ist für mich ein metaphorischer, alternativer Raum“, sagt Susa und deutet damit die heutige Veranstaltung in Zehlendorf.

Auch die Methoden sind entgrenzt: „Wir laden Leute ein, ihre Gedanken sichtbar zu machen“, erzählt Ulrike. Keine Frage ist dabei zu anspruchsvoll, was die Serie Nachrichten zum Weltuntergang aus dem Jahr 2012 beweist: Was ist wichtig, wenn man dem Ende der Welt gegenüber steht? Zusammen mit Imke flechten Susa und Ulrike Note On in die ganze Stadt.1 So entsteht ein ganzes Netz aus Kollaborationen, wie One Night Stand in den KW aus diesem Jahr. Von der Last eines befestigten Raumes befreit, erlaubt Note On ebenfalls Spontaneität für die ansonsten sehr beschäftigten Initiatoren.

Es geht darum, „auf bestimmte Situationen zu reagieren“, nicht notwendigerweise auf Räume, meint Susa; und auch darum, „mit dem Kontext zu arbeiten“. Note On ist ein Ort für Kommentare – vermittelst assoziativer Strukturen, mit Hilfe von Be- und Umnennung, mit dem Um- und Übersetzen der Vertigos des alltäglichen Lebens.  Ihre Veranstaltungen nennen sie „Skizzen“, wobei deren Bibliografie auf jeden Fall beeindruckend ist.

————————————

1Dazu: Es kursieren Gerüchte darüber, dass Susa & Ulrike eine Bewegung mit dem Namen “The Forgotten Pioneer Movement” gegründet haben, die die Straßen der Stadt überzieht.

 ***

The Project Rooms have so far already surprised Berlin by opening up in a see-through former garage or by getting absorbed into a single window that blends in with the street. But today’s character even left the viewer behind at the shore – the temptation to follow into Krumme Lanke was high. And if one resisted it and found their way through the forest, they would have found themselves seduced into yet another lake – of poetry, by Peacock & Gerdes, McDonald and Green performing.

Although Note On did begin back in 2011 with a physical address, but slowly dissolved into an ubiquitous entity. It moved on to “transgressing several spaces”, with an eye on “the periphery”, says Ulrike. It’s about testing new environments. “I think of water as a metaphorical, alternative space”, says Susa about today’s event in Zehlendorf.

And the method is also open: “We invite people to visualize their thoughts”, says Ulrike. No question is too challenging – as the Apocalypse series back in 2012 proved: what is important when facing the end of the world? Susa and Ulrike, together with Imke, spell out Note On throughout the city1, with a web of collaborations, like One Night Stand in KW earlier this year. Freed from a fixed space, Note On allows fluidity also for the otherwise busy initiators.

It’s about “responsiveness to a certain situation”, says Susa, not necessarily to a space. It’s “work with the context”. Note On is a place for comments – through associative structures, through naming & re-naming, through translating the vertigos of every day. “Sketches” – they call their events; but their bibliography surely is impressive.

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1For new writings of Susa & Ulrike: There are rumors about the two of them having found a movement called “The Forgotten Pioneer Movement” which invades the streets of Berlin.
Bettina (*Berlin), Artistic Director & Founder, Espace Surplus, Wallstr. 85, 10179 Berlin Mitte
English below
Eine Art es zu definieren, ist es dem Betrachter zu überlassen. Gelegentlich erkennt man die Schönheit und findet es dennoch schwer auszudrücken, warum dies so ist. Und manchmal erlaubt man es sich nicht, von ihr berührt zu werden. Für Bettina jedoch scheinen die Dinge anders. Es ist „die Schönheit einer Ausstellung“, die sie antreibt. Und für sie ist Schönheit ganz einfach: „Die perfekte Komposition von etwas“, egal ob es sich dabei um Papier, Gold oder Pflanzen handelt. Der Raum ist ein Spiel, in dem das Ganze den Teilen vorausgeht.
„Es geht einzig darum, offen dafür zu sein, dass etwas und was passiert“, sagt Bettina und das Motto lebt sie auch. Sie wechselte ihre Kulisse von Juristerei hin zu Stadtsoziologie und schrieb über artful transformations von Raum. „Wirkt Kunst?“ Es scheint als arbeitet sie auf mehreren Ebene. Eine Immobilienfirma lud sie in die Wallstraße ein, „Kunst zu zeigen“, in der Hoffnung, dass jemand den Kunstraum am laufen hält.
Ihr Espace Surplus treibt sich seit 2006 in der Stadt herum und ist in der Wallstraße mittlerweile an seinem dritten Ort – noch bis Ende 2014. Schönheit hat seinen Preis – der historisch restaurierte Raum in der Wallstraße macht es Bettina nicht leicht, „wir wurden hier mit -20 Grad empfangen“. Es geht um die Suche nach neuen Räumen, neuen Künstler*innen, neuen Gerüchen – olfaktorische Kunst ist „das Nächste“ für sie. Bettina entdeckt die meisten der Künstler*innen, mit denen sie arbeitet auf dem jährlichen Tag der offenen Tür der UdK und anderen Ausstellungen.
Espace Surplus ist nicht ein Raum, sondern praktizierte Kunst der „Verwandlung von Orten“. Bettina hat noch keinen neuen Ort, „dafür aber viele Ideen“. Ein Teil des Erlebens von Schönheit ist, sie hinter sich zu lassen. Neue Räume treiben die ortsspezifische Kunst an. Wobei wahrscheinlich alles letztlich zurückgeht auf eine Idee, ein Drehbuch, einen bestimmten Geruch. Es geht um Vorstellungskraft.
***
Leaving beauty for the eyes of the beholder is one way to escape defining it. People can recognize beauty but might find it difficult to articulate why. Sometimes even people wouldn’t allow themselves to be taken by it. But things seem to look differently for Bettina. “The beauty of an exhibition” is what keeps her going. And beauty to her is simply “the perfect composition of something”, be it paper, gold or plants. The room is staged as a whole.
“It’s all about being open for things to happen”, says Bettina, and she lives by that. She shifted her background from law to urban sociology and wrote about artful transformations of space. “Does art work?” It seems it works on different levels. A real estate company invited her in Wallstrasse “to show art”, in the hope that someone will keep the art space going. 
Her Espace Surplus has been around since 2006 and is now in its third location in Wallstraße until end of 2014. Beauty comes with a price – the historically restored room in Wallstraße plays hard to get, “we installed here at -20 degrees”. It’s about the search for new spaces, new artists, new aromas - scent art is “the next new thing” to her. Bettina discovers most of the artists she works with herself at the annual open doors of the UdK or other exhibitions. 

Espace Surplus is not one space, but an art practice of “transforming sites”. Bettina doesn’t have a new location yet, “but many ideas”. Part of experiencing beauty is also leaving it behind. New rooms fuel site-specific art. But it probably all comes down to an idea of a space, to a stage script, to a fragrance. It’s about imagining.
nata

Bettina (*Berlin), Artistic Director & Founder, Espace Surplus, Wallstr. 85, 10179 Berlin Mitte

English below

Eine Art es zu definieren, ist es dem Betrachter zu überlassen. Gelegentlich erkennt man die Schönheit und findet es dennoch schwer auszudrücken, warum dies so ist. Und manchmal erlaubt man es sich nicht, von ihr berührt zu werden. Für Bettina jedoch scheinen die Dinge anders. Es ist „die Schönheit einer Ausstellung“, die sie antreibt. Und für sie ist Schönheit ganz einfach: „Die perfekte Komposition von etwas“, egal ob es sich dabei um Papier, Gold oder Pflanzen handelt. Der Raum ist ein Spiel, in dem das Ganze den Teilen vorausgeht.

„Es geht einzig darum, offen dafür zu sein, dass etwas und was passiert“, sagt Bettina und das Motto lebt sie auch. Sie wechselte ihre Kulisse von Juristerei hin zu Stadtsoziologie und schrieb über artful transformations von Raum. „Wirkt Kunst?“ Es scheint als arbeitet sie auf mehreren Ebene. Eine Immobilienfirma lud sie in die Wallstraße ein, „Kunst zu zeigen“, in der Hoffnung, dass jemand den Kunstraum am laufen hält.

Ihr Espace Surplus treibt sich seit 2006 in der Stadt herum und ist in der Wallstraße mittlerweile an seinem dritten Ort – noch bis Ende 2014. Schönheit hat seinen Preis – der historisch restaurierte Raum in der Wallstraße macht es Bettina nicht leicht, „wir wurden hier mit -20 Grad empfangen“. Es geht um die Suche nach neuen Räumen, neuen Künstler*innen, neuen Gerüchen – olfaktorische Kunst ist „das Nächste“ für sie. Bettina entdeckt die meisten der Künstler*innen, mit denen sie arbeitet auf dem jährlichen Tag der offenen Tür der UdK und anderen Ausstellungen.

Espace Surplus ist nicht ein Raum, sondern praktizierte Kunst der „Verwandlung von Orten“. Bettina hat noch keinen neuen Ort, „dafür aber viele Ideen“. Ein Teil des Erlebens von Schönheit ist, sie hinter sich zu lassen. Neue Räume treiben die ortsspezifische Kunst an. Wobei wahrscheinlich alles letztlich zurückgeht auf eine Idee, ein Drehbuch, einen bestimmten Geruch. Es geht um Vorstellungskraft.

***

Leaving beauty for the eyes of the beholder is one way to escape defining it. People can recognize beauty but might find it difficult to articulate why. Sometimes even people wouldn’t allow themselves to be taken by it. But things seem to look differently for Bettina. “The beauty of an exhibition” is what keeps her going. And beauty to her is simply “the perfect composition of something”, be it paper, gold or plants. The room is staged as a whole.

“It’s all about being open for things to happen”, says Bettina, and she lives by that. She shifted her background from law to urban sociology and wrote about artful transformations of space. “Does art work?” It seems it works on different levels. A real estate company invited her in Wallstrasse “to show art”, in the hope that someone will keep the art space going. 

Her Espace Surplus has been around since 2006 and is now in its third location in Wallstraße until end of 2014. Beauty comes with a price – the historically restored room in Wallstraße plays hard to get, “we installed here at -20 degrees”. It’s about the search for new spaces, new artists, new aromas - scent art is “the next new thing” to her. Bettina discovers most of the artists she works with herself at the annual open doors of the UdK or other exhibitions. 

Espace Surplus is not one space, but an art practice of “transforming sites”. Bettina doesn’t have a new location yet, “but many ideas”. Part of experiencing beauty is also leaving it behind. New rooms fuel site-specific art. But it probably all comes down to an idea of a space, to a stage script, to a fragrance. It’s about imagining.

nata